IPPNW-Pressemitteilung vom 19. Mai 2022

EU-Taxonomie: Delegierten Rechtsakt im EU-Parlament ablehnen!

Offener Brief gegen die Einstufung von Erdgas und Atomenergie als nachhaltig

In einem Offenen Brief zur EU-Taxonomie haben heute 22 Umwelt- und Zivilgesellschaftliche Organisationen an die Abgeordneten des EU-Parlaments appelliert, gegen den delegierten Rechtsakt zu stimmen, der Atomenergie und Erdgas als nachhaltige Technologien einstufen soll. Einen Tag vor dem Ende der Einreichfrist der Resolutionsentwürfe soll damit auf die weit in die Zukunft hineinwirkenden Folgen dieser Entscheidung aufmerksam gemacht werden.

Die „Entscheidung im Rahmen eines delegierten Rechtsaktes ist nicht nur juristisch fragwürdig.“, heißt es in dem Offenen Brief. „Die Einstufung beider Energieträger als nachhaltig ist weder klima- noch umweltwissenschaftlich haltbar, noch sind die Risikoauswirkungen auf andere (Umwelt-)Schutzgüter (…) auszuschließen.“

„Atomenergie und Erdgas sind veraltete Technologien – auch Modernisierungen würden Grundsatz- und Strukturprobleme nicht lösen. Die Energiewende muss umgehend mit den entsprechenden politischen Maßnahmen durchgesetzt werden. Erdgas und Atomenergie in die EU-Taxonomie aufzunehmen, bedeutet hingegen Fehlinvestitionen in Milliardenhöhe auf EU-Ebene zu billigen und sogar bewusst zu fördern. Lobbyinteressen leiten Finanzströme in die falsche Richtung und blockieren so den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Das 1,5°C Limit wäre mit dieser Entscheidung nicht mehr einzuhalten“, erklärt Dr. med. Angelika Claußen, Vorsitzende der Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW).

Der Ukrainekrieg verdeutlicht darüber hinaus, dass insbesondere in Zeiten geopolitischer Spannungen Erdgas und Atom keine sicheren Energiequellen sind, heißt es weiter in dem Brief. Bis zu 40% des in der EU benötigten AKW-Brennstoffs Uran werden aus russischen Einflusszonen geliefert. Erst mit dem Ukraine-Krieg rücken diese Rohstoffabhängigkeiten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Durch eine Klassifizierung als nachhaltige Energiequellen werden Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke derartige Abhängigkeiten verstärken, anstatt sie zu reduzieren.


Den Offenen Brief können Sie hier nachlesen: https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Offener_Brief_zum_delegierten_Rechtsakt_der_Taxonomie.pdf


Kontakt:
Lara-Marie Krauße (IPPNW), Tel. 030 698 074 15, Email: krausse@ippnw.de

zurück

Fukushima-Anzeige


11 Jahre Fukushima - 36 Jahre Tschernobyl
Die Anzeige erschien am 11. März 2022 in der Süddeutschen Zeitung, Vielen Dank an 2.372 Unterstützer*innen!

Ansprechpartner

Ewald Feige
Vertretung Atomausstieg, Energiewende und Klima
Tel. 030 698074-11
E-Mail: feige[AT]ippnw.de

Materialien

Forum 169. Foto: Paul Lovis Dorfmann / Campact
IPPNW-Forum 169: "Greenwashing von Atomkraft – Ein Super-GAU für die Energiewende"
auf ISSUU lesen

IPPNW-Information: Radioaktive „Niedrigstrahlung“. Ein Blick auf die Fakten (PDF)

IPPNW Forum: 10 Jahre Leben mit Fukushima
IPPNW-Forum "10 Jahre Leben mit Fukushima": 
auf isssuu.com lesen

Risiken und Nebenwirkungen der Atomenergie
Risiken und Nebenwirkungen der Atomenergie
pdf-Datei herunterladen

Im IPPNW-Shop bestellen

Navigation