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Die Hoffnung der Atomlobby konzentriert sich auf China

Foto: Atomkraftwerk Daya Bay, By No machine-readable author provided. Level plus~commonswiki assumed (based on copyright claims). [Public domain], via Wikimedia Commons
10.01.2019

Der neue “World Nuclear Industry Status Report 2018” kommt zum Ergebnis, dass die Atomenergienutzung weltweit rückläufig ist. Das Maximum der globalen Atomstromproduktion wurde 2006 überschritten, nach Fukushima kam es zu einem weiteren Absturz. Der dreijährige Anstieg der Atomstromproduktion bis 2017 war primär auf China zurückzuführen.

Mitte 2018 befanden sich 50 Atomreaktoren in Bau. Im Jahr 2010 wurde der Bau von 15 Atommeilern begonnen, davon zehn in China. 2017 war Baubeginn von fünf Atomkraftwerksblöcken, im ersten Halbjahr 2018 von zwei. China startete in den vergangenen zwanzig Jahren fast die Hälfte aller Neubauprojekte, allerdings ging seit zwei Jahren selbst in China kein kommerzieller Reaktor mehr in Bau.

Fünfzehn Länder bauen derzeit neue Atomkraftwerke, zwei mehr als Mitte 2017. Als Newcomer begannen die Türkei und Bangladesch, erste Atomkraftwerke zu errichten. Zuvor stiegen Weißrussland und die Vereinigten Arabischen Emirate neu in das Atomgeschäft ein. Bei Atomkraftwerksbauten sind jahrelange Verzögerungen die Regel. Zwei Atomkraftwerke, Mochovce-3 und -4 in der Slowakei, werden seit mehr als 30 Jahren als „in Bau“ angeführt.

In mehreren Ländern wie in Argentinien, Indonesien und Kasachstan wurden Neubaupläne verschoben. In Jordanien, Malaysia und in den USA wurden Pläne für neue Atommeiler ganz aufgegeben.

Der Altersdurchschnitt der derzeit weltweit betriebenen 413 Atomkraftwerksblöcke liegt bei 30 Betriebsjahren. Mit Laufzeitverlängerungen wird in vielen Ländern weltweit versucht, die Atomstromproduktion aufrechtzuerhalten. In den USA erhielten 87 von 98 Anlagen Genehmigungen für einen längerfristigen Weiterbetrieb. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen gehen allerdings viele Atomkraftwerke vorzeitig vom Netz.

 

Finanzierung militärischer Atomprogramme

In der Vergangenheit legte die Atomindustrie großen Wert darauf, dass die zivile Atomenergienutzung nichts mit militärischen Atomwaffenprogrammen zu tun habe. Diese offizielle Trennung wird zunehmend aufgegeben.

Inzwischen heißt es, man müsse die zivile Atomenergienutzung beibehalten, weil die militärische sonst nicht bezahlbar sei. Ernest Moritz, ehemaliger Energieminister der USA, sagte: „Wir brauchen die zivile Atomindustrie wegen nationaler Sicherheitsinteressen.“ Auch bei dem völlig überteuerten, geplanten britischen Atomprojekt Hinkley-Point C deutete sich an, dass es um eine Co-Finanzierung des Atomwaffenprogramms des Königreichs geht. (Wir berichteten)

Foto: Foto: Atomkraftwerk Daya Bay, By No machine-readable author provided. Level plus~commonswiki assumed (based on copyright claims). [Public domain], via Wikimedia Commons

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