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2025

Nepal

Von Felix

Bericht Nepal
Nach meiner erfolgreichen Bewerbung und dem Auswahltag entschied ich mich für Nepal, da mich sowohl die Möglichkeit einer engen kulturellen Einbindung als auch das nepalesische Gesundheitssystem besonders interessierten. Obwohl die ursprünglich geplante Unterbringung in einer Gastfamilie nicht zustande kam, war ich sehr glücklich über die Zusage für Nepal.
Das Vorbereitungswochenende in Berlin verlief hilfreich, wenn auch anders als erwartet. Als meine Reise schließlich begann, war ich deutlich nervöser als gedacht, doch die Anspannung legte sich schnell, sobald ich im Flugzeug saß.


In Kathmandu angekommen, musste ich zunächst die Menschenmengen von Taxifahrern und Verkäufern hinter mir lassen, fand dann aber meinen Austauschstudenten, der mich mit zwei Rucksäcken auf dem Motorrad zu meinem Hostel im Stadtteil Kalopul brachte. Das Hostel war zunächst ungewohnt, doch dank der Unterstützung meines Austauschpartners fühlte ich mich schnell gut aufgehoben.
Eigentlich sollte ich ein paar Tage Zeit haben, um anzukommen, doch wie so vieles in Nepal änderte sich der Plan spontan – mein erster Besuch im Krankenhaus wurde direkt zu meinem ersten Arbeitstag. Meine Famulatur absolvierte ich im Helping Hands Community Hospital in der Gynäkologie und Geburtshilfe unter der Betreuung von Dr. Binod.


Ein typischer Arbeitstag begann für mich um 6:30 Uhr mit einem 30-minütigen Fußweg, bei dem ich bald die Anwohner kennenlernte. Vor Arbeitsbeginn trank ich meist einen Masala-Tee im Teeshop vor dem Krankenhaus. Von 8 Uhr an fand die ambulante Sprechstunde statt. Die Patientinnen bezahlten zunächst am Schalter eine kleine Gebühr, anschließend wurden Anamnese und Untersuchung durchgeführt. Weitere Untersuchungen wie Blutabnahmen oder Ultraschall mussten erneut bezahlt werden, woraufhin die Patientinnen mit den Ergebnissen zurückkehrten. Die englische medizinische Dokumentation half mir sehr, auch wenn die handschriftlichen Notizen oft schwer zu entziffern waren. Dr. Binod erklärte mir viel, wodurch ich einen tiefen Einblick erhielt.


Mittags folgte der OP-Bereich, in dem wir vor allem Hysterektomien und Ausschabungen durchführten. Eindrücklich war zu sehen, wie Eingriffe trotz begrenzter Ressourcen strukturiert und sicher umgesetzt werden. Wenn keine OP geplant war, falteten wir gemeinsam Kompressen oder nähten Bauchtücher – Improvisation gehörte zum Alltag.


Ein besonderes Highlight war ein Health Camp in der Gorkha-Region, an dem ich mit Dr. Binods Familie und nepalesischen Medizinstudierenden teilnahm. Dort boten wir einen Tag lang Gesundheitsversorgung mit Schwerpunkt Gynäkologie an. Ich führte unter anderem Blutdruck-, Puls- und Blutzuckermessungen durch; insgesamt wurden etwa 100 Menschen versorgt. Trotz des morgendlichen Nebels wurde der Tag später sonnig, und der Ausblick war beeindruckend. Die Motivation der Studierenden, die neben einer 6-Tage-Woche freiwillig halfen, hat mich nachhaltig beeindruckt.


Gegen Ende meines Aufenthalts erlebte ich die Revolution in Nepal. Die zahlreichen Opfer machten mich sehr betroffen, zugleich war es inspirierend zu sehen, wie die junge Generation Korruption und Vetternwirtschaft entschlossen entgegentrat. Schließlich trat die Regierung zurück und in nur zwei Tagen wurde die erste Frau in der Geschichte Nepals zur Interims-Premierministerin gewählt – ein historischer Moment.
Durch die politische Lage konnte ich mein geplantes soziales Projekt nicht mehr durchführen. Nach der Famulatur nutzte ich die restliche Zeit, um Nepal zu erkunden: Ich wanderte sieben Tage zum Annapurna Base Camp, sah Nashörner im Nationalpark und reiste nach Lumbini, dem Geburtsort Buddhas. Ein besonderes Erlebnis war die Einladung zu Dashain bei einem Freund aus meinem Hostel – ein bedeutendes hinduistisches Fest, das ich mit seiner Familie feiern durfte.


Nach meinen letzten Tagen in Kathmandu und den Abschieden von neuen Freund*innen ging es zurück nach Deutschland. Nepal war für mich eine einzigartige und prägende Erfahrung. Ich habe viel über mich selbst, über andere Gesundheitssysteme und über die Menschen in Nepal gelernt. Besonders beeindruckt haben mich die Herzlichkeit der Menschen, die Improvisationsstärke im klinischen Alltag und die politische Entschlossenheit der jungen Generation.


Ich habe in Nepal echte Freundschaften geschlossen und hoffe, dass das Land seinen Weg zu einer starken, demokratischen Zukunft fortsetzen kann.

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