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Palästina

von Myriam

Ich sitze jetzt in der Kälte von Berlin und kann es nicht glauben, dass ich nun seit fast 2 Monaten aus Palästina zurück bin. Es fällt mir schwer, dieses beeindruckende Erlebnis in wenige Worte zu fassen. Eine Sache ist mir jedoch bewusst: Wie dankbar ich für diese Erfahrung und die großzügigen Menschen bin, die mich dabei begleitet haben.
Der Wunsch, nach Palästina zu reisen, insbesondere für einen längeren Zeitraum, begleitete mich schon immer und als ich auf das f&e Programm gestoßen bin, dachte ich, dass ich nun endlich die Möglichkeit hatte die Geschichte des Landes und seine Menschen besser kennenzulernen. Anfang August, als ich aufgeregt am Flughafen auf meinen Flug nach Tel Aviv wartete, wusste ich noch nicht, dass die kommenden zwei Monate in Palästina zu einer der schönsten Zeiten gehören würden.

Ein Monat in Bethlehem
Im August begann alles mit ReCaP (Refugee Camp Project), das von freiwilligen palästinensischen Medizinstudierenden der Al-Quds University organisiert wird. Dies ist jedes Jahr ein Bestandteil des f&e-Programms für diejenigen, die nach Palästina reisen möchten. Leonie (die andere f&e-Teilnehmerin) und ich haben währenddessen einen Monat lang in Bethlehem mit sechs anderen Medizinstudierenden aus europäischen Universitäten gewohnt, die ebenfalls am Programm teilnahmen.
Neben den Hospitationstagen in der UNRWA-Klinik im Dheisha-Camp und im Al-Hussein Governmental Hospital, bei denen wir unter anderem die medizinische Versorgung der Flüchtlingscamps in der Westbank kennenlernen konnten, umfasste das Programm auch Tage an der Al-Quds-Universität. Dort wurden Seminare und Workshops über unterschiedlichen Themen für uns organisiert, und wir hatten die Möglichkeit, an Konferenzen teilzunehmen.
Es gab auch einige Ausflüge in der Westbank, in Städte wie Ramallah, Hebron und Battir, die uns den Alltag der Palästinenser*innen unter der Besatzung sowie die Geschichte und Kultur dieses Landes nähergebracht haben.
Nach einem erlebnisreichen Monat, in dem ich das Gefühl hatte, wertvolle Freundschaften geschlossen zu haben und die Stadt Bethlehem nur ungern verlassen wollte, stand der nächste Abschnitt meines Aufenthalts bevor.

Ein Monat in Ramallah
Ich absolvierte meine Famulatur im September in der Notaufnahme des Palestine Medical Complex Hospital in Ramallah, das größte staatliche Krankenhaus der Westbank. Die Mitarbeiter*innen und Medizinstudierenden, einige davon kannte ich bereits aus ReCaP, machten diese Erfahrung lehrreich und herzlich. Da ich einen arabischen Dialekt kann und dank des engagierten Personals der Notaufnahme und der netten Medizinstudierenden, konnte ich auch viel von der Famulatur mitnehmen. Die Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen zeigten eine große Offenheit und Lehrbereitschaft. Sie waren immer bereit, Themen bestmöglich zu erklären, manchmal sogar durch Mini-Kurse, die in einem Reanimationsraum während einiger ruhiger Momente in der Notaufnahme organisiert wurden.
Ich hatte an den Nachmittagen und am Wochenende immer Zeit, das Land und seine Menschen besser kennenzulernen.
In Ramallah habe ich allein gewohnt, was einen großen Wechsel nach dem ersten Monat darstellte. Aber ich fühlte mich nie einsam aufgrund der vielen Menschen, die ich kennengelernt habe und die meinen Aufenthalt so schön gemacht haben, dass ich das Land am Ende nicht mehr verlassen wollte.

Mir ist bewusst, wie mein Bericht sich eher auf die Warmherzigkeit der Palästinenser*innen fokussiert. Diese prägte meine zwei Monate. Im Mittelpunkt all dieser Erfahrungen steht jedoch die Realität der Besatzung, die bis ins kleinste Detail das Leben der Palästinenser*innen im besetzten Westjordanland kontrolliert. Der Alltag der Palästinenser*innen ist geprägt von Demütigung und Entmenschlichung durch omnipräsente Checkpoints, Wasser- und Stromausfälle, oder regelmäßige Raids, um nur einige Beispiele zu nennen.
Gespräche mit Freund*innen verdeutlichten mir, wie dies zur Normalität wird: die Erwähnung eines Vaters im Gefängnis während eines Festes, die Ablehnung einer Erlaubnis nach Jerusalem zu reisen, während einer Runde Tarneeb (Kartenspiel), die Geschichte der gewaltsamen Raids der Universität durch israelischen Soldaten, während man sich auf einem Dach über Liebe unterhält.

Die Palästinenser*innen sind tief in ihrem Land verwurzelt. Ihr Alltag ist geprägt von Resilienz und Widerstand allein durch ihre Existenz. Und trotz der Gewalt der Besatzung, habe ich noch nie so warmherzige und gastfreundliche Menschen getroffen, die mir ermöglicht haben, diese zwei Monate zu einer der bereicherndsten und wunderbarsten Erfahrung meines Lebens zu machen. Dafür kann ich mich nur bedanken.

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