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IPPNW
IPPNW-Presseinformation vom 2. März 2007

Osman Murat Ülkes Situation unverändert

Clara-Immerwahr-Auszeichnung

”Berlin- „Die türkischen Behörden haben keine Schritte unternommen, um die Verletzung der Rechte von Osman Murat Ülke zu beenden, das stellten die Vertreter der Außenminister beim Europarat am 14. Februar 2007 fest. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte vor über einem Jahr die türkische Regierung wegen unverhältnismäßiger Strafverfolgung des Kriegsdienstverweigerers Osman Murat Ülke. Anfang April wird sich der Europarat wieder mit der Weigerung der türkischen Regierung befassen, Kriegsdienstverweigerern einen klaren Rechtsstatus zu gewähren.

Seit Jahren lebt Ülke in der Türkei unter Bedingungen, die der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in seinem Urteilsspruch als "zivilen Tod" bezeichnet: Der 36jährige Familienvater gilt als Deserteur und kann jederzeit verhaftet werden. Ülke kann keinen Pass beantragen, kein Konto eröffnen und keine Arbeit annehmen, solange er den Kriegsdienst verweigert.

Die von Ärzten gegründete Friedensorganisation IPPNW zeichnet Ülke morgen mit der Clara-Immerwahr-Auszeichnung aus. Die Feier findet im Französischen Dom am Berliner Gendarmenmarkt statt in der Anwesenheit von Vereinen, die sich seit Jahrzehnten international für Kriegsdienstverweigerer einsetzen: Connection e.V., DFG-VK, UMBRUCH Bildungswerk; Zentralstelle KDV. Die Auszeichnung wird Coskun Üskerci von der Menschenrechtsstiftung Izmir entgegen nehmen. Ülke selbst kann die Türkei nicht verlassen.

Osman Murat Ülke hatte 1995 öffentlich seine Kriegsdienstverweigerung erklärt und seinen Wehrpass verbrannt. Weil es in der Türkei kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung gibt, wurde Ülke mehrmals auf Grund von Befehlsverweigerung bzw. Fahnenflucht inhaftiert. Nach seiner Entlassung erhielt Ülke stets die Aufforderung, sich zum Wehrdienst zu melden. Er ließ die Termine verstreichen und nutzte die Verhandlungen vor dem Militärgericht ebenso wie seine Verurteilungen, um die Öffentlichkeit auf den Umgang der türkischen Regierung mit Kriegsdienstverweigerern aufmerksam zu machen. Insgesamt war Ülke 701 Tage inhaftiert.

Seit 1991 verleiht die IPPNW die Clara-Immerwahr-Auszeichnung an Menschen, die sich trotz persönlicher Nachteile gegen Krieg, Rüstung und für Menschenrechte einsetzen. Benannt ist die Auszeichnung nach der Chemikerin Clara Immerwahr, die sich mit großem persönlichen Einsatz gegen die Arbeit ihres Ehemannes Fritz Haber stellte, der die Entwicklung und Anwendung von Giftgas im Ersten Weltkrieg vorantrieb.

Wer war Clara Immerwahr? Wer wurde bisher ausgezeichnet? Hier erfahren Sie mehr

Hier erfahren Sie mehr über die Biographie von Osman Murat Ülke

Ein ausführliches Interview mit Ülke finden Sie hier beim Karin Kramer Verlag

50 Jahre Engagement für Kriegsdienstverweigerer: Zentralstelle KDV

Für weitere Informationen, Vermittlung eines Interviews mit Herrn Ülke oder Bildanfragen:
Sven Hessmann, Pressereferent
Tel.: 030 - 69 80 74 14
E-Mail: hessmann@ippnw.de

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