Berlin - Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW protestiert dagegen, dass eine sachgerechte Information der betroffenen Menschen in der Umgebung bis zu 50 km um deutsche Atomkraftwerke weiter verzögert wird. Die schon seit langer Zeit für Dezember 2008 angekündigte detaillierte Begründung der Strahlenschutzkommission zur Kinderkrebsstudie wurde vom Bundes-Umweltministerium abgesagt.
Schon im Dezember 2007, nachdem die vielbeachtete Studie zu Kinderkrebs um Kernkraftwerke (KiKK-Studie) veröffentlicht worden war, hatte Bundesumweltminister Gabriel vermieden, Konsequenzen aus den brisanten Studienergebnissen zu ziehen. Er beauftragte stattdessen, die Ergebnisse noch einmal durch die Strahlenschutzkommission (SSK) überprüfen zu lassen, die dafür über 9 Monate Zeit bekam. Nach Verstreichen dieser Frist veröffentlichte die SSK im Oktober 2008 lediglich eine Kurzfassung einer Stellungnahme ohne eine ausreichende und detaillierte Begründung. Eine Veröffentlichung dieser Begründung war dann - erneut verzögert - für den 16.12.08 angekündigt worden und wird jetzt schon wieder in das nächste Jahr verschoben.
"Man muss dabei bedenken, dass allein die Durchführung der Kinderkrebsstudie schon mindestens um 2 Jahre verzögert wurde. Obwohl die Studie schon 2001 beschlossen worden war, erfolgte die Veröffentlichung durch diverse organisatorische Taktiken erst Ende 2007", so Reinhold Thiel, der 2001 mit Hilfe einer erfolgreichen Presse- und Öffentlichkeitskampagne maßgeblich daran beteiligt war, dass die KiKK-Studie vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegeben worden war.
Die IPPNW fordert vom Bundesumweltministerium eine umgehende sachgerechte Information der betroffenen Bevölkerung. "Es geht nicht an, dass die Aufklärung der betroffenen Menschen über Besorgnis erregende Befunde und erhöhte Kinderkrebsraten in der Umgebung der Atomkraftwerke, die schon 2001 erkennbar waren und die die Kinderkrebsstudie jetzt bewiesen hat, weiter verzögert wird", sagt die Vorsitzende der IPPNW, Dr. Angelika Claußen. "Wir dürfen diese Informationen nicht hinter den verschlossenen Türen der SSK oder anderer Behörden lassen. Auch das Verwirren durch nichtige Details und das Kleinreden der Ergebnisse muss ein Ende haben."
Die IPPNW lädt deshalb am 08.11.08 in Darmstadt, am 12.11.08 in Nersingen bei Ulm und am 22.11.08 in Augsburg zusammen mit anderen Umweltschutzorganisationen zu Informationsveranstaltungen mit sachkompetenten Referenten ein, um wenigstens auf diesem Weg die betroffenen Menschen zu informieren.
Kinderkrebs-Information in Darmstadt am 08.11.08
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Kinderkrebs_A4_Faltblatt.pdf
Kinderkrebs-Information in Nersingen bei Ulm am 12.11.08
http://www.atommuell-lager.de/081112-Kinderkrebs-Nersingen.pdf
Kinderkrebs-Information in Augsburg am 22.11.08
http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/KiKK-Fachtagung-Augsburg.pdf
Kontakt: Reinhold Thiel, Tel. 0176- 5116 4195, IPPNW-Pressestelle, Tel.: 030 – 69 80 74 14
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