Berlin- Anlässlich der für morgen geplanten Entscheidung des Bundeskabinetts über den Einsatz deutscher Tornados in Afghanistan appelliert die von Ärzten gegründete Friedensorganisation IPPNW an die Bundesregierung, die Anfrage der NATO mit einem klaren Nein zu beantworten und den deutschen Einsatz im Rahmen der Isaf kritisch zu überprüfen. Angesichts des Fehlschlags militärischer Stabilisierung und der Not der Menschen müsse der zivilgesellschaftliche Aufbau absoluten Vorrang haben. Die Vorsitzende der IPPNW Angelika Claußen: „Afghanistan braucht einen Entwicklungsplan und nicht mehr Truppen oder Tornados.” In Afghanistan, das zu den ärmsten Ländern der Welt zählt und mit 10 Millionen Landminen verseucht ist, sei eine Erhöhung der Truppenstärke und eine Tornado-Stationierung nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.Aus der Sicht der IPPNW sind die zivilen Wiederaufbau-Hilfen bisher kaum der afghanischen Bevölkerung zugute gekommen. Milliarden von Dollars, die auf diversen Geberkonferenzen versprochen wurden, sind auf einem Sonderkonto der Weltbank geparkt bzw. fließen überwiegend den etwa 2500 ausländischen Nichtregierungsorganisationen zu. Das bestätigte auch Fariba Nawa, eine Journalistin, die zwei Jahre in Afghanistan gearbeitet hat und die vor Ort über den Verbleib der Hilfsgelder recherchiert hat. Experten ausländischer Hilfsorganisationen kritisieren, dass internationale Hilfe sich oft auf das Zentrum Kabul konzentriere und die Menschen in den Provinzen vernachlässige. Angelika Claußen: „Das militärische Vorgehen der NATO hat bislang in den meisten Teilen des Landes keinerlei dauerhafte Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen bewirkt. Schnelle Gewalt-Lösungen, wie sie durch Erhöhung der Truppenstärken suggeriert werden sollen, wird es nicht geben - erst recht nicht in einem Land, das jahrzehntelang von Kriegen und ausländischen Interventionen erschüttert wurde. Nur eine Strategie, die alle politischen Kräfte und Regionen des Landes in eine demokratische Entwicklung einbezieht und die substanzielle zivilgesellschaftliche Aufbauhilfe bietet, kann in Afghanistan auf Dauer Frieden schaffen und der Demokratie den Weg ebnen.”Sven Hessmann, Pressereferent Tel.: 030 - 69 80 74 14
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