Die "großen Vier" können es nicht lassen. Deutschlands Atomkonzerne haben sich mit Umweltminister Sigmar Gabriel getroffen, um unter anderem über die Verlängerung von Laufzeiten ihrer bestehenden Atomkraftwerke (AKW) zu reden. RWE und EnBW wollen in den kommenden Wochen für mindestens zwei Atomkraftwerke längere Laufzeiten beantragen, schreibt der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe. Der noch unter Rot-Grün mit dem damaligen Umweltminister Jürgen Trittin ausgehandelte Atomkonsens, der die Betriebsdauer bestehender AKW bis höchstens 2023 festschreibt, würde damit in Frage gestellt.
Die Vorsitzende der deutschen Sektion der internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) Dr. Angelika Claußen ist verärgert: „Laufzeitverlängerungen machen AKW gefährlicher und stellen wegen der erhöhten Gefahr von Störfällen ein großes Risiko für die Gesundheit unserer BürgerInnen dar. Tschernobyl kann überall passieren, auch bei uns in Deutschland.” Sie fordert daher die sofortige Abschaltung derjenigen fünf AKW, die nachweislich am störanfälligsten sind: Brunsbüttel, Isar I, Philippsburg I, Biblis A und B. Dies sei durch eine Weisung des BMU auch nach der jetzigen Gesetzeslage möglich.
Dass - wie von Atomlobbyisten behauptet - der Verzicht von Atomkraft zu einem vermehrten Ausstoß von klimaschädlichen CO2-Emmissionen führen wird, ist doppelt falsch: Atomkraft kann durch den Einsatz von Erneuerbaren Energien nicht nur komplett ersetzt werden, sondern befördert im Gegenteil den beschleunigten Ausbau und die weitere Entwicklung alternativer Energieerzeugung. Beim gegenwärtigen Tempo könnten Erneuerbare Energien in Deutschland in zehn Jahren soviel Strom produzieren wie derzeit alle Atomkraftwerke zusammen. Im Jahr 2023 könnten mit erneuerbaren Energien betriebene Kraftwerke jährlich mehr als 200 Terawattstunden Strom aus Sonne, Wind, Wasserkraft, Bioenergie und Erdwärme liefern.
Dass diese Technik ohnehin ein Exportschlager der deutschen Wirtschaft ist, konnte kürzlich in Fernost beobachtet werden. So wurde vorgestern in Peking im Beisein des Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Wen Jiabao, und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Rahmenabkommen zur Realisierung von solarthermischen Kraftwerken zusammen mit zwei chinesischen Unternehmen unterzeichnet. Bis 2020 sollen solarthermische Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 1.000 MW realisiert werden.
Kontakt: Jörg Welke, 030 - 698074-14
Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW),
Körtestr. 10, 10967 Berlin,
Fax: 030-6938166, E-Mail: ippnw@ippnw.de; Internetseite: www.ippnw.de
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