Von offizieller Seite werden die von der rot-grünen Bundesregierung genehmigten atomaren Standort-Zwischenlager mit der Vermeidung von Atomtransporten begründet. Dabei wird verschwiegen, dass erst durch die Standort-Zwischenlager ein langjähriger Weiterbetrieb der Atomkraftwerke möglich gemacht wurde. Der Präsident des Deutschen Atomforums bestätigte in aller Deutlichkeit die Kritik von Atomkraftgegnern, wonach es ohne die neuen Atommüll-Lager zu einer "Verstopfung" und somit zum Stillstand deutscher Atomkraftwerke gekommen wäre, weil der Strahlenmüll nicht in hinreichender Menge in die zentralen Zwischenlager abtransportiert werden konnte.
Mit der Genehmigung und der Errichtung der Standort-Zwischenlager hat der "Atomkonsens" bzw. "Atomausstieg" der Atomindustrie ihr zentrales Problem gelöst. Jetzt kann die Atomindustrie weiter Atomstrom produzieren und den Atommüll bequem in den Zwischenlagern gleich nebenan einlagern. Die langfristige "Lösung" des Atommüllproblems wird künftigen Generationen überlassen.
Das Konzept der Standort-Zwischenlager wurde entwickelt, weil der Abtransport des Atommülls aus den Atomkraftwerken in die Wiederaufarbeitungsanlagen und in die zentralen Zwischenlager zunehmend Probleme machte.
Die Atomkraftwerke drohten schrittweise im Atommüll zu ersticken. Ende der 1990er Jahre war von einer drohenden "Verstopfung" der Atomkraftwerke die Rede, die zu einer schrittweisen Abschaltung der Anlagen hätte führen können.
"Atomkonsens": Zügige Errichtung von Standort-Zwischenlagern
Vor diesem Hintergrund einigten sich die Atomkraftwerksbetreiber und die Bundesregierung in ihrer Vereinbarung vom 14. Juni 2000 ("Atomkonsens") auf die zügige Errichtung standortnaher Zwischenlager [S. 9 der Vereinbarung]:
"Beide Seiten gehen davon aus, dass die standortnahen Zwischenlager in einem Zeitraum von längstens fünf Jahren betriebsbereit sind."
Hohlefelder: "Verstopfung" der Atomkraftwerke vermieden
Der Präsident des Deutschen Atomforums e.V. (DAtF), Walter Hohlefelder, machte im Mai 2004 auf der Jahrestagung Kerntechnik in Düsseldorf den Zusammenhang deutlich, wonach mit den Standort-Zwischenlagern die "Verstopfung" der Atomkraftwerke vermieden und ein ungestörter Weiterbetrieb der Atomkraftwerke ermöglicht wurde. In einer Pressemitteilung des Deutschen Atomforums vom 25. Mai 2004 heißt es:
"Das Engagement der Bundesregierung hinsichtlich der Umsetzung der Vereinbarung vom Juni 2001 hob der DAtF-Präsident ausdrücklich hervor. So laufe der Betrieb der Kernkraftwerke im Großen und Ganzen frei von politischen Störungen. Dies gelte insbesondere für die Gewährleistung der Entsorgung der abgebrannten Brennelemente aus den Kernkraftwerken. Eine Verstopfung der Kernkraftwerke infolge nicht abtransportierter abgebrannter Brennelemente sei nicht mehr zu befürchten. Hohlefelder betonte, dass die Energieversorgungsunternehmen fest zur getroffenen Vereinbarung stehen."
Hohlefelder: "Eine Transportblockade - bislang die Achillesferse unserer Anlagen"
Pointiert stellte Hohlefelder in seiner Eröffnungsansprache auf der Jahrestagung Kerntechnik 2004 am 25. Mai 2004 wörtlich fest:
"Und, was besonders wichtig ist: Ende der 90'er Jahre war der Betrieb der Kernkraftwerke existentiell durch die so genannte Verstopfung bedroht. Also durch den Zwang zur Abschaltung, weil wir die abgebrannten Brennelemente nicht abtransportieren konnten und gleichzeitig nicht genügend anlageninterne Lagerkapazität hatten. Diese Gefahr ist jetzt praktisch gebannt: Die Transporte zur Wiederaufarbeitung werden planmäßig bis Mitte 2005 abgewickelt. Die Genehmigungen für die anlageninternen Zwischenlager liegen vor. Eine Transportblockade - bislang die Achillesferse unserer Anlagen - wird uns also nichts mehr anhaben können."
Der Präsident des Deutschen Atomforums machte also klar, dass die Standort-Zwischenlager dem langjährigen Weiterbetrieb der Atomkraftwerke dienen, mit der Folge einer weiteren Produktion von Atommüll.
Von Henrik Paulitz
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