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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Eon - RWE - EnBW - Vattenfall

Die Atomkraftwerksbetreiber

11.01.2005

Alle 17 derzeit in Deutschland betriebenen Atomkraftwerke wurden von Siemens gebaut. Sie werden im wesentlichen von vier großen Energiekonzernen betrieben: E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Informationen über die "Kernenergie" und die Kernkraftwerke muss man auf den Websites dieser Konzerne inzwischen gezielt suchen. Man schmückt sich heute nicht mehr mit der schmutzigen Atomenergie. Interessant sind Herkunft und Verflechtungen von Vorstand und Aufsichtsratsmitgliedern. Die IPPNW gibt einige Einblicke hinter die Kulissen der Atomkonzerne. 

Die vier wesentlichen deutschen Atomkraftwerksbetreiber weisen enge Verbindungen auf zum Atomkraftwerkshersteller Siemens und zu den großen Banken und Versicherungskonzernen, die an der Finanzierung und Versicherung der Atomkraftwerke beteiligt waren bzw. sind und die bis heute einen entscheidenden Einfluss auf die Geschäftspolitik der Energiekonzerne haben.

Die Atomkraftwerksbetreiber sind auch eng verflochten mit Großkunden zum Beispiel aus der chemischen Industrie. Die Großstromverbraucher aus der Industrie erhalten den Strom zu Preisen, die weit unterhalb der Stromerzeugungskosten liegen. Den privaten Haushaltskunden und dem Kleingewerbe werden dagegen Strompreise in Rechnung gestellt, die weit oberhalb der Erzeugungskosten liegen. Eine Quersubventionierung, die auf Druck der Konzerne von der staatlichen Strompreisaufsicht genehmigt wird.

 

Atomkraftwerksbetreiber E.ON

Die E.ON AG mit Sitz in Düsseldorf ist Deutschlands größter Atomkraftwerksbetreiber. Das Unternehmen ging hervor aus der ehemaligen VEBA AG mit der damaligen Tochtergesellschaft PreussenElektra AG und der VIAG AG mit der damaligen Tochtergesellschaft Bayernwerk AG. Betreibergesellschaft der Atomkraftwerke im engeren Sinne ist die E.ON Kernkraft GmbH, eine Tochtergesellschaft der E.ON Energie AG. Diese ist wiederum eine Tochtergesellschaft der E.ON AG. Website der E.ON Kernkraft GmbH: http://www.eon-kernkraft.com

Der Versicherungskonzern Allianz AG ist mit rund 11 Prozent an der RWE AG beteiligt. Hinzu kommen laut Presseberichten 3,7 Prozent der Hypovereinsbank, die zum Allianz-Konzern gehört. Der Freistaat Bayern hält 5,6% der E.ON-Anteile. Der Anteil der Deutschen Bank an der RWE AG soll sich auf 10 Prozent belaufen.

E.ON Kernkraft betreibt 11 Kernkraftwerke in Bayern, Niedersachsen und in Schleswig-Holstein: 

  1. Kernkraftwerk Unterweser
  2. Kernkraftwerk Grafenrheinfeld
  3. Kernkraftwerk Isar-1
  4. Kernkraftwerk Isar-2 (gemeinsam mit Stadtwerken München)
  5. Kernkraftwerk Brunsbüttel (gemeinsam mit Vattenfall)
  6. Kernkraftwerk Brokdorf (gemeinsam mit Vattenfall)
  7. Kernkraftwerk Krümmel (gemeinsam mit Vattenfall)
  8. Kernkraftwerk Emsland (gemeinsam mit RWE)
  9. Kernkraftwerk Gundremmingen B (gemeinsam mit RWE)
  10. Kernkraftwerk Gundremmingen C (gemeinsam mit RWE)
  11. Kernkraftwerk Grohnde (gemeinsam mit Stadtwerken Bielefeld)

Das "kleine" Atomkraftwerk Stade (DWR) wurde 2003, das Atomkraftwerk Würgassen 1995 stillgelegt und befindet sich noch für viele Jahre im Rückbau.  

Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats
der E.ON AG ist Prof. Dr. Günter Vogelsang, der langjährige "Berufsaufsichtsrat" der Deutschen Bank. 

Aufsichtsratsvorsitzender
der E.ON AG ist der langjährige  Vorstandsvorsitzende Ulrich Hartmann. Hartmann ist auch Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank.

Weiterhin im Aufsichtsichts ist unter anderem Dr. Rolf-E. Breuer, langjähriger Vorstandsvorsitzender und derzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, Dr. Karl-Hermann Baumann, langjähriger Finanzvorstand und derzeit Aufsichtsratsvorsitzender des Atomkraftwerksherstellers Siemens, zugleich Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank, Dr. Henning Schulte-Noelle, Aufsichtsratsvorsitzender des Versicherungskonzerns Allianz, Dr. Klaus Liesen, langjähriger Chef der Ruhrgas AG und ehemaliges Mitglied der Aufsichtsräte von Allianz und Deutscher Bank, Dr. Georg Frhr. von Waldenfels, ehemaliger bayerischer Finanzminister und Prof. Dr. Ulrich Lehner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Henkel-Gruppe und Verwaltungsratsmitglied der Dresdner Bank.

 

Atomkraftwerksbetreiber RWE

Die RWE AG-Tochter RWE Power AG ist das größte deutsche Stromunternehmen und einer der größten Stromproduzenten Europas. RWE Power ist die Betreibergesellschaft von 5 Atomkraftwerksblöcken an 3 Standorten.

  1. Kernkraftwerk Biblis A
  2. Kernkraftwerk Biblis B
  3. Kernkraftwerk Gundremmingen B (gemeinsam mit E.ON)
  4. Kernkraftwerk Gundremmingen C (gemeinsam mit E.ON)
  5. Kernkraftwerk Emsland (Lingen) (gemeinsam mit E.ON)

Informationen der RWE Power zu ihren Kernkraftwerken: www.rwepower.com/generator.aspx/standorte/kernkraftwerke/id=8742/kernkraftwerke-home.html

Der Versicherungskonzern Allianz AG ist mit rund 12 Prozent an der RWE AG beteiligt. Der Anteil der Deutschen Bank an der RWE AG soll sich auf 10 Prozent belaufen.

Vorstandsvorsitzender der RWE AG
ist der Niederländer Harry Roels. Der Naturwissenschaftler war zuvor als Erdölingenieur Mitglied des Vorstandes der Royal Dutch Petroleum Company und der Royal Dutch/Shell Unternehmensgruppe. Roels ist zugleich Mitglied im "Gemeinsamen Beirat der Allianz Gesellschaften" des Versicherungskonzerns Allianz.

Im Aufsichtsrat der RWE AG und Vorsitzender dess Prüfungsausschusses ist Carl-Ludwig von Boehm-Bezing, ehemaliges Vorstandsmitglied und Mitglied im Beraterkreis der Deutschen Bank, Dr. Paul Achleitner, Vorstandsmitglied der Allianz AG, Prof. Karel Van Miert, zugleich Aufsichtsratsmitglied des Versicherungskonzerns Münchener Rückversicherungsgesellschaft AG und Manfred Schneider, Aufsichtsratsvorsitzender des Chemiekonzerns Bayer. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von RWE, Dr. Dietmar Kuhnt, ist ebenfalls Mitglied im Aufsichtsrat des Energie- und Atomkonzerns. Zugleich ist er Mitglied in den Aufsichtsräten der Allianz Versicherungs-AG und der Dresdner Bank.

Im Wirtschaftsbeirat der RWE AG sitzen unter anderem Dr. Heinrich von Pierer, Vorstandsvorsitzender des Atomkraftwerksherstellers Siemens, Dr. h.c. Martin Kohlhaussen, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank AG, Dr. Alfons Friedrich Titzrath, ehemaliges Vorstandsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der Dresdner Bank, Alfred Freiherr von Oppenheim, Aufsichtsratsvorsitzender des Bankhauses Sal. Oppenheim, Dr. Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender der ThyssenKrupp AG, Prof. Dr. Jürgen Strube, ehemaliger Vorstandsvorsitzender und derzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender der BASF AG, Jürgen Dormann, Aufsichtsratsvorsitzender von Aventis, Dr. Udo Oels, Vorstandsmitglied der Bayer AG und Dr. Bernd Pischetsrieder, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG.

Darüber hinaus bindet RWE über seinen Wirtschaftsbeirat zwei Energiewissenschaftler ein: Prof. Dr. Dieter Schmitt, Lehrstuhl für Energiewirtschaft der Universität Duisburg-Essen, und Prof. Dr. Carl Christian von Weizsäcker, ehemaliger Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität Köln.

 

Atomkraftwerksbetreiber EnBW

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ist mit rund 5,4 Millionen Energiekunden das drittgrößte Energieunternehmen in Deutschland. Hauptaktionäre des Unternehmens sind mit jeweils 34,5 Prozent der französische Atomkraftwerksbetreiber Elektricité de France und der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). Die Deutsche Bank ist mit 5,86 Prozent an der EnBW beteiligt (und hat weiteren Stimmrechtseinfluss über den Streubesitz). Ebenso hält die Bank HSBC Trinkhaus & Burkhardt 5,86 Prozent der Aktien.

Die EnBW Kraftwerke AG wurde im Januar 1998 als 100-prozentige Tochter der Energie Baden-Württemberg AG gegründet. In ihr wurden die Stromerzeugungskapazitäten, Kraftwerksbeteiligungen und Strombezugsverträge des Konzerns gebündelt. Die EnBW ging aus den früheren Verbundunternehmen Badenwerk AG und Energieversorgung Schwaben AG hervor.

Die EnBW Kraftwerke AG ist eines der größten Tochterunternehmen der EnBW und mit über 50 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr einer der bedeutenden Energieerzeuger in Deutschland. Nach der Übernahme der Neckarwerke Stuttgart (NWS) kommen noch einmal jährlich knapp 15 Milliarden Kilowattstunden hinzu. Insgesamt verfügt die EnBW Kraftwerke AG über eine Stromerzeugungskapazität von rund 11.000 Megawatt. Diese Leistung stammt unter anderem aus den folgenden Atomkraftwerken:

  1. Kernkraftwerk Philippsburg-1
  2. Kernkraftwerk Philippsburg-2
  3. Kernkraftwerk Obrigheim (gemeinsam mit Techn. Werke Stuttgart, Stadtwerke Karlsruhe etc.)
  4. Kernkraftwerk Neckarwestheim-1 (gemeinsam mit Neckarwerke Stuttgart AG, Deutsche Bahn AG etc.)
  5. Kernkraftwerk Neckarwestheim-2 (gemeinsam mit Neckarwerke Stuttgart AG, Deutsche Bahn AG etc.)

Vorstandsvorsitzender der EnBW Energie Baden-Württemberg AG ist Prof. Dr. Utz Claassen. Der Wirtschaftswissenschaftler war zuvor Top-Manager bei Ford, Volkswagen, SEAT und bis 2003 Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG.

Aufsichtsratsvorsitzender der EnBW
Energie Baden-Württemberg AG ist Dr. Wolfgang Schürle, Landrat des Alb-Donau-Kreises. Weiterhin im Aufsichtsrat sind unter anderem die Manager von Electricité de France Jean-Pierre Benqué, Marc Boudier, Dr. Daniel Camus und Christian Fontanel, außerdem der baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus und Franz Watzka, Betriebsratsvorsitzender des Gemeinschaftskernkraftwerks Neckar GmbH.

 

Atomkraftwerksbetreiber Vattenfall

Vattenfall AB ist der größte Stromerzeuger in den Nordischen Ländern und das fünftgrößte Energieunternehmen in Europa. Der schwedische Staat ist alleiniger Anteilseigner der Vattenfall AB. Vattenfall produziert, verteilt, handelt und vertreibt Energie europaweit an etwa sechs Millionen Kunden. Mehr als die Hälfte des Geschäfts liegt heute außerhalb Schwedens. In den Jahren 2001 und 2002 übernahm Vattenfall die deutschen Unternehmen Hamburgische Electricitätswerke AG (HEW), Bewag AG, VEAG Vereinigte Energiewerke AG und Lausitzer Braunkohle AG. Das Geschäft in Deutschland, Europas größtem Energiemarkt, führt seit September 2002 die Vattenfall Europe AG.

Vattenfall Europe ist der drittgrößte Stromproduzent in Deutschland. Vattenfall ist am stillgelegten "kleinen" Atomkraftwerk Stade sowie an den folgenden drei in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerken beteiligt:

  1. Kernkraftwerk Brunsbüttel (gemeinsam mit E.ON)
  2. Kernkraftwerk Brokdorf (gemeinsam mit E.ON)
  3. Kernkraftwerk Krümmel (gemeinsam mit E.ON)

In Schweden betreibt Vattenfall die Atomkraftwerke Ringhals und Barsebäck-2.

Vorstandsvorsitzender
der Vattenfall Europe ist Dr. Klaus Rauscher. Der Jurist war in den 70er und 80er Jahren im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen tätig. 1991 wechselte er in den Vorstand der Bayerischen Landesbank mit Zuständigkeit für die Energiewirtschaft. Vom 1. November 2001 an leitete Dr. Rauscher als Vorstandsvorsitzender der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) und später als Vorstandsvorsitzender der Holding des neuen Konzerns Vattenfall Europe die Integration der vier Unternehmen Bewag, HEW, LAUBAG und VEAG.

Aufsichtsratsvorsitzender der Vattenfall Europe ist Lars Göran Josefsson, Präsident and Chief Exetutive Officer (CEO) des Mutterkonzerns Vattenfall AB.

Weiterhin im Aufsichtsrat sind unter anderem Dr. h.c. Volker Jung, ehemaliges Vorstandsmitglied des Atomkraftwerksherstellers Siemens, Dr. Otto Majewski, ehemals stellvertretender Vorstandsvorsitzender der E.ON Energie AG, Dr. Karl-Ludwig Kley, Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa AG, Dr. Giuseppe Vita, Aufsichtsratsvorsitzender der Schering AG und Wilfried Schreck, Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD).

 

 

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