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Presseerklärung vom 14.9. 2011

Menschenrechtsdelegation besucht Massengräber bei Catak

Deutsche Andrea Wolf unter den Toten

Andrea Wolf
14.09.2011

Zwischen dem 14. und 25. September 2011 reist eine internationale Delegation aus Deutschland, El Salvador und der Schweiz in die Türkei. Sie wird gemeinsam mit VertreterInnen des türkischen Menschenrechtsvereins (IHD) und dem Arbeitskreis Keleh zur Aufklärung des Massakers in den Bergen bei Catak in der Region Van Massengräber aufsuchen, die von IHD MitarbeiterInnen im Frühjahr 2011 entdeckt und gesichert worden waren.

Nach einer Gedenkveranstaltung vor Ort für die von der türkischen Armee am 23. Oktober 1998 bei einem Kriegsverbrechen Ermordeten und dort Begrabenen werden die Angehörigen in Begleitung der Delegation bei der Staatsanwaltschaft in Catak Strafanzeigen gegen Verantwortliche des türkischen Militärs einreichen und die offizielle gerichtsmedizinische Untersuchung der provisorischen Massengräber beantragen.

Unter den Toten ist vermutlich auch Andrea Wolf. Nach bisherigen Erkenntnissen war die deutsche Internationalistin in der kurdischen Frauenarmee Yajk 1998 in diesem Gebiet nach einem Gefecht gefangen genommen worden. Laut Zeugenaussagen wurde die zu diesem Zeitpunkt unbewaffnete Gefangene gefoltert und hingerichtet. Anschließend wurde ihre Leiche weiter misshandelt und verstümmelt. Insgesamt wurden vermutlich 41 KämpferInnen bei militärischen Auseinandersetzungen oder dem anschließenden Massaker ermordet. Die Erschießung von wehrlosen Gefangenen erfüllt nach geltendem, internationalem Recht den Tatbestand des Mordes. Die Tötung bereits entwaffneter und kampfunfähiger Gefangener ist ein eklatanter Verstoß gegen alle Kriterien des internationalen Völkerrechts und laut Genfer Konvention ein Kriegsverbrechen.

In einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde die türkische Regierung in diesem Zusammenhang bereits im Juni 2010 verurteilt, weil bisher eine rechtsstaatliche Aufklärung des Massakers systematisch verhindert wurde. Doch bis heute hat sich der zuständige Frankfurter Staatsanwalt geweigert, das Ermittlungsverfahren im Fall Andrea Wolf trotz neuer Zeugen und angesichts neuer Beweise wieder aufzunehmen. Auch andere deutsche Behörden wie das Auswärtige Amt haben bisher keinerlei Konsequenzen gezogen.

Die internationale Delegation, an der sich Bundestagsabgeordnete, RechtsanwältInnen, ÄrztInnen und VertreterInnen aus verschiedenen Frauen- und Menschenrechtsvereinigungen, Gewerkschaften und der FreundInnenkreis von Andrea Wolf beteiligen, wird heute in Istanbul eine Pressekonferenz veranstalten und ihre Delegationsreise der türkischen, kurdischen und internationalen Öffentlichkeit vorstellen. Dr. Gisela Penteker nimmt für die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) an der Delegation teil.

Bei Interesse an einem Interview mit Dr. Penteker wenden Sie sich bitte an die IPPNW-Geschäftsstelle, Angelika Wilmen, Pressesprecherin, Tel. 030 / 69 80 74 15

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