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IPPNW-Pressemitteilung vom 4.06.2010

Alt-Atomkraftwerke müssen wegen Rissen sofort vom Netz

AKW-Störfallauswertung der IPPNW

04.06.2010

Nach Auffassung der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW müssen die ganz alten deutschen Atomkraftwerke wegen auffällig vieler Meldungen über sicherheitsrelevante „Risse, Befunde und Leckagen“ noch in diesem Jahr endgültig stillgelegt werden. Werden alle elf in Betrieb befindlichen Druckwasserreaktoren verglichen, so ist ein klarer Trend zu erkennen: Mit den Betriebsjahren nimmt die Anzahl der meldepflichtigen Ereignisse deutlich zu.

Eine systematische Auswertung der offiziellen „meldepflichtigen Ereignisse“ durch die IPPNW vom 2. Juni hat für die vergangenen drei Jahre ergeben, dass aus den Uralt-Reaktoren Biblis A, Biblis B, Unterweser und Neckarwestheim-1 insgesamt 35 mal Risse, Befunde oder sogar Leckagen gemeldet wurden. Bei den „neueren“ Druckwasserreaktoren waren es hingegen „nur“ 15 Meldungen in den Jahren 2007, 2008 und 2009.

Ferner gab es bei den Alt-Kraftwerken der so genannten 2. Druckwasserreaktor-Generation (2. DWR-Generation) in den nur drei Jahren 44 Meldungen über die Nicht-Verfügbarkeit bzw. die fehlerhafte Inbetriebnahme sicherheitsrelevanter Komponenten, während es bei der 4. DWR-Generation nur 13 waren.

Die Betrachtung der gesamten Betriebsdauer und alle Vorkommnisse ergibt das gleiche Bild: Während es bei den zuletzt in Deutschland errichteten Atomkraftwerken durchschnittlich vier meldepflichtige Ereignisse pro Jahr gab, waren es bei den Altmeilern Biblis A und B, Unterweser und Neckarwestheim-1 im Mittel zwölf pro Jahr bzw. jeden Monat ein meldepflichtiges Ereignis.
Vergleichbar ist das Bild auch bei den Siedewasserreaktoren. Die Anlagen der Uralt-Baulinie ´69 (Philippsburg-1, Isar-1, Brunsbüttel, Krümmel) meldeten im langjährigen Mittel rund dreimal so viele Ereignisse wie die später errichteten Siedewasserreaktoren.

Nach Angaben des IPPNW-Atomexperten Henrik Paulitz überlagern sich bei den Altanlagen zwei Effekte: Die meist schlechteren Werkstoffe und die längere Betriebsdauer und somit die längere Belastung der Materialien und Komponenten. „Unsere Auswertung lässt keinen Zweifel daran, dass die besonders alten Atomkraftwerke besonders häufig sicherheitsrelevante Vorkommnisse melden müssen“, so Paulitz. “Besonders erschreckend sind die 35 Meldungen über Risse, Befunde und Leckagen in den alten Druckwasserreaktoren. Diese hatten aufgrund ihrer Lage oder Größe zum Glück keine schwerwiegenden Folgen. Wenn man jedoch bedenkt, dass bereits kleine Leckagen im Bereich des Reaktorkühlkreislaufs in allen Sicherheitsstudien zu den größten Super-GAU-Risiken zählen, dann ist unmittelbar nachvollziehbar, dass man diese altersschwachen Atommeiler umgehend stilllegen muss.“

Die IPPNW fordert die Bundesregierung und die betreffenden Bundesländer dazu auf, anstelle von Laufzeitverlängerungen vielmehr die sofortige Stilllegung der Druckwasserreaktoren Biblis A, Biblis B, Unterweser und Neckarwestheim-1 sowie der Siedewasserreaktoren Philippsburg-1, Isar-1, Brunsbüttel und Krümmel zu beschließen.

Weitere Informationen: „AKW-Störfallauswertung der IPPNW“ mit vier aufschlussreichen Grafiken www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/2010-06-02_AKW-Stoerfallauswertung_der_IPPNW.pdf


Kontakt: Henrik Paulitz, Tel. 0032-485-866 129, Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Email: ippnw[at]ippnw.de

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