Kurz vor Ende der Ausschreibung für den Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks will die türkische Ärztekammer am 17. September in Istanbul mit einer Pressekonferenz über die gesundheitlichen Folgen der Atomenergie aufklären. Unterstützt wird sie dabei von dem deutschen Physiker Dr. Alfred Körblein, der die Ergebnisse der Studie über Kinderkrebs um deutsche Atomkraftwerke (KIKK-Studie) vorstellen wird. Die Vortragsreise von Körblein wurde von der Ärzteorganisation IPPNW auf Wunsch der türkischen Ärztekammer organisiert. Körblein hat in den letzten Jahren Untersuchungen zur Niedrigstrahlung in Deutschland, zu Folgen der Tschernobyl–Katastrophe und zu erhöhten Kinderkrebsraten im Umkreis bayrischer Atomkraftwerke durchgeführt.
„Die KiKK-Studie hat eines bewiesen", so Dr. Angelika Claußen, Vorsitzende der Ärzteorganisation IPPNW, „je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist für das Kind die Gefahr an Krebs oder Leukämie zu erkranken. Dieses wissenschaftlich anerkannte Ergebnis ist ein klares Signal für die türkische Bevölkerung, die dem Bau von Atomkraftwerken sehr kritisch gegenüber steht.“
Seit dem Supergau von Tschernobyl, dessen Strahlung insbesondere die Regionen an der türkischen Schwarzmeerküste traf, ist die Angst vor neuen Krebsfällen in der Bevölkerung hoch. Die türkische Regierung reagierte damals ignorant: Sie lehnte es ab, das Ausmaß der Strahlenbelastung durch die Tschernobyl-Katastrophe überhaupt wissenschaftlich untersuchen zu lassen. „Atomenergie ist eine nicht beherrschbare Hochrisikotechnologie, hinterlässt strahlenden Müll für Tausende von Jahren und gefährdet selbst im Normalbetrieb die Gesundheit unserer Kinder“, so Claußen.
Zum Hintergrund: Im März hatten die türkischen Behörden den Bau ihres ersten Atomkraftwerks ausgeschrieben. Die Ausschreibung endet nun am 24. September 2008. Das Atomkraftwerk soll mit einer Leistung von rund 4000 Megawatt in der Nähe von Akkuyu an der stark erdbebengefährdeten Südküste errichtet werden. Ein zweites Atomkraftwerk ist bei Sinop an der Schwarzmeerküste geplant. Bereits im letzten Monat hatte die türkische Polizei in Sinop 32 Demonstranten festgenommen, die friedlich gegen den Einstieg der Türkei in die Atomenergie protestierten. Für das kommende Wochenende sind wiederum breite Anti-Atomproteste in der Türkei geplant.
Als Lösung für den steigenden Energiebedarf steht in der Türkei ein hohes Sonnenenergiepotential zur Verfügung, das es zügig auszubauen und zu fördern gilt. Die Modernisierung der maroden Stromversorgungsleitungen wäre zudem ein schneller erster Schritt zur Lösung der Energieprobleme.
Kontakt: Sven Hessmann, IPPNW-Pressereferent, Tel. 030 698074-14, 0176 9623 8656, hessmann@ippnw.de
IPPNW- Informationen zur KIKK-Studie
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