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Viel Lärm um nichts? Wie gefährlich ist radioaktive Strahlung wirklich?

SWR 1, 17. Dezember 2007

Dass in der Nähe des AKWs Krümmel vermehrt Leukämiefälle auftreten, weiß man schon länger. Doch dass in Deutschland das Risiko, an Leukämie zu erkranken, für Kinder in der Nähe eines Atomkraftwerks insgesamt höher ist, das wurde jetzt erstmals nachgewiesen. Entsprechend groß war der Tumult im Bundestag wie in den Medien, als letzte Woche die Studie des Kinderkrebsregisters vorgestellt wurde. Den Atomkraftgegnern kommt diese gerade recht, denn sie fürchten um den Atomausstieg, seit die angeblich CO2-freie Atomkraft angesichts der drohenden Klimakatastrophe wieder im Aufwind ist. Umso lauter äußern die Atomkraftbefürworter nun Zweifel an der Studie. Selbst die Autoren der Studie sagen: die Krebshäufung ist nicht strahlenbiologisch erklärbar. Denn die Strahlenmenge, die aus einem AKW austritt, müsste um ein Vielfaches höher sein, um gesundheitsschädigende Wirkung zu haben. Doch was weiß man wirklich über die Gefährlichkeit von radioaktiver Strahlung in niedriger Dosierung? Wird hier mit der Studie tatsächlich nur Politik gemacht?

Debatten in Berlin, Ängste in Philippsburg
Gleich nach Bekanntwerden der Studie hievten die Grünen das Thema umgehend in den Bundestag. Kinder, Krebs und Kernenergie, eine hochbrisante Mischung, die den traditionell ohnehin hitzig geführten Atomstreit neu entfachte. Wir fragen, wer in Berlin warum welche Position vertritt. Und: wie geht es eigentlich denen, die von der Studie betroffen sind - Familien in der Nähe eines Kernkraftwerks - während in Berlin debattiert wird? Bericht aus Berlin von Stefan Überbach und eine Umfrage aus einem Kindergarten in Philippsburg.

Was ist dran an der Studie?
Die einen erheben anklagend die Stimme, das Risiko einer Leukämieerkrankung für ein Kind in AKW-Nähe sei mehr als doppelt so hoch, die anderen reden die Studie klein, indem sie auf die absoluten Zahlen verweisen: schließlich seien von 6000 Fällen nur rund 20 auf die AKW-Nähe zurückzuführen. Was ist nun wirklich dran an der Studie? Und warum hat diese Studie nun einen signifikanten Zusammenhang festgestellt, die beiden vorherigen, die ohne Beteiligung von AKW-Kritikern durchgeführt wurden, aber nicht? Gespräch mit Reinhard Tiel von den Ärzten gegen Atomkrieg, Ulm, einer der Initiatoren der neuen Studie.

Neue Erkenntnisse der EU-Strahlenforschung aus Majak
Ein mit zwölf Millionen Euro von der EU finanziertes Forschungsprojekt untersucht Anwohner der Kernwaffenfabrik "Maják" im Südural. Die Bevölkerung war dort über Jahrzehnte hinweg der Radioaktivität ausgesetzt: einer Dosis, die geringer war als bei den Atombombenabwürfen in Japan, aber viel größer als in der Nähe eines Kernkraftwerks. Von diesem Forschungsprojekt verspricht man sich erstmals Erkenntnisse über die Gefährlichkeit einer "mittelstarken" Strahlenbelastung. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass man die Annahmen über die Wirkung von Strahlen im Niedrigbereich revidieren muss. Denn die heute geltenden Grenzwerte wurden auf der Basis von Untersuchungen der hochstrahlungsbelasteten Opfern von Hieroshima und Nagasaki festgelegt. Ein Beitrag von Hellmuth Nordwig.

Alpha, Beta, Gamma: Was weiß man wirklich über radioaktive Strahlung?
Es könne nicht sein, dass eine so geringe Strahlung wie sie aus einem AKW austritt, Krebs auslöse, denn die natürliche Strahlung beispielsweise im Schwarzwald sei um ein Vielfaches höher. Welche Argumente hat ein Strahlenbiologe, der gegen solche weit verbreiteten Annahmen antritt? Was kommt überhaupt an Strahlung aus einem AKW? Was wird gemessen und was nicht? Gespräch mit Prof. Edmund Lengfelder vom Strahlenbiologischen Institut der LMU, München. Er verlangt niedrigere Strahlenemissionen und kritisiert, dass die Strahlenforschung in Deutschland massiv abgebaut wird.

Moderation: Ralf Hecht

... zurück[SWR-1-Sendung vom 17.12.2007]

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