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Uranmüll: Russische Post für Staatsanwalt

Strafanzeige gegen die Urenco

Vor einem Jahr stellten russische AtomkraftgegnerInnen in Münster Strafanzeige gegen die Urenco Deutschland wegen des Verdachts auf illegalen Atommüllexport von Gronau nach Russland. Die Staatsanwaltschaft nahm zwar Ermittlungen auf, wollte den politisch brisanten Fall aber schnell wieder loswerden. Im Mai stellten sie die Ermittlungen gegen die weltweit führende Urananreicherungsfirma ein. Nun fordern die russischen AktivistInnen die Wiederaufnahme der Ermittlungen und haben dazu einen Anwalt aus Münster eingeschaltet.

Hintergrund sind die Lieferung von inzwischen mehr als 21 000 Tonnen abgereichertem Uran von Gronau nach Russland. Abgereichertes Uran (DU) entsteht bei der Urananreicherung als Abfallprodukt. Die Urenco und die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden in NRW und Berlin behaupten, bei dem abgereicherten Uran handele es sich um Wertstoff - doch es gibt keinen kommerziellen Weltmarkt für DU. Verwendet wird es für panzerbrechende Munition und um waffenfähiges Uran zu verdünnen. Urenco sagt aber, dass DU würde in Russland wiederangereichert und dann zurück nach Gronau kommen. Tatsache ist, dass Urenco seit 2003 überhaupt kein Uran mehr aus Russland einführt. Dafür wurde RWE Nukem zum Importeur von Natururan.

RWE und EON besitzen die deutschen Urenco-Anteile. Der Rest gehört der britischen und niederländischen Regierung. Urenco ist mittlerweile Weltmarktführer und expandiert aggressiv nach Frankreich und in den USA. Dazu kommen massive Ausbauten in Gronau und im benachbarten Almelo. Die billige Atommüll-"Entsorgung" in Russland hat der Urenco großen wirtschaftlichen Gewinn gebracht und die Expansion entscheidend mitfinanziert. Der Gesamtkonzern hat mehr als 80 000 Tonnen DU nach Russland verschifft, wo die Fässer unter offenem Himmel vor sich hinrosten.

Seit drei regt sich in Russland Widerstand gegen die Uranmüllimporte. Vorher waren die Urantransporte in Russland völlig geheim. Die russische Regierung hat mittlerweile versprochen, nach Auslaufen der bestehenden Verträge zwischen 2008 und 2010 keine neuen Importverträge mehr abzuschließen. Das ist bereits ein erster Erfolg des internationalen Widerstands.

Doch der Kampf geht weiter. Schon im Januar kann der nächste Uranmüllzug von Gronau nach Russland starten. Wir unterstützen deshalb die Strafanzeige der russischen UmweltschützerInnen gegen die Urenco. Denn nicht AtomkraftgegnerInnen gehören auf die Anklägebänke dieser Republik, sondern die Verantwortlichen der Atomindustrie, die z.B. ohne mit der Wimper zu zucken Zehntausende Tonnen Atommüll den Menschen in Russland vor die Tür kippen.

Quelle: indymedia.de

Mehr Information: www.urantransport.de

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