
Die IPPNW kritisiert die Strategie gezielter Tötungen von Talibankämpfern und fordert die deutsche Bundesregierung auf, ihre Beteiligung an den Afghanistan-Einsätzen OEF und ISAF schnellstmöglich zu beenden. "Wenn es darum ging, feindliche Kämpfer zu töten - unter Inkaufnahme von zivilen Toten -, handelt es sich beim Afghanistaneinsatz der deutschen Bundeswehr um Krieg. Wenn es bei dem ISAF-Einsatz nicht um Krieg geht, war der Angriff Mord - zumindest illegale Tötung. Viele Menschen darunter Zivilisten und Kinder wurden getötet, ohne dass ein Selbstschutz nötig war," erklärt Prof. Dr. Ulrich Gottstein, Ehrenvorstandsmitglied der IPPNW.
Notwendig ist aus Sicht der Ärzteorganisation ein sofortiger Waffenstillstand, eine umfassende Aufklärung der seit über drei Monaten ungeklärten Ereignisse vom 4. September 2009 sowie die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit den Aufständischen. Die IPPNW fordert den vollständigen Truppenabzug verbunden mit einem klaren und kurzfristigen Zeitplan. Zudem muss Afghanistan umfassende Reparationen für die angerichteten Schäden erhalten und vollständig von Minen befreit werden. Die internationale Afghanistankonferenz im Januar 2010 muss neu strukturiert werden.
Die IPPNW kritisiert, dass die Strategie gezielter Tötungen offenbar auch mit dem Kanzleramt abgestimmt worden ist. Laut "Leipziger Volkszeitung" waren das Bundeskanzleramt, die Spitze des Verteidigungsministeriums sowie mit der Koordination der Geheimdienste beauftragte Regierungsvertreter vor und nach dem Luftangriff am 4. September 2009 unmittelbar in eine neue Eskalationsstufe in Afghanistan einbezogen. Teil der vorgegebenen Eskalationsstrategie sei auch die gezielte Ausschaltung der Führungsstruktur der Taliban gewesen. Diese sei vom damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und vom seinerzeit amtierenden Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan den Offizieren vorgegeben und vom Kanzleramt gebilligt worden.
Pressekontakt: Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung, Körtestr. 10, 10967 Berlin, www.ippnw.de, Angelika Wilmen, Tel. 030 – 69 80 74 15, Email: wilmen[at]ippnw.de
... zurück