Berlin: Etwas mehr als drei Viertel der Bundesbürger (77%) sind dagegen, dass die Bundesregierung der Bitte der NATO um Entsendung von Tornados zur militärischen Aufklärung in den stärker umkämpften Süden Afghanistans nachkommt. Nur rund ein Fünftel spricht sich dafür aus.
Dies ist das Ergebnis einer von der IPPNW, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage.
Angesichts dieser parteiübergreifenden Mehrheit gegen eine Tornado-Entsendung haben Horst Eberhard Richter (Ehrenvorsitzender) und Angelika Claußen (IPPNW-Vorsitzende) heute einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin und die Mitglieder des Kabinetts geschickt:
"Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, als deutsche Sektion der internationalen Ärzteorganisation IPPNW, die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, halten wir es für unsere Pflicht, Ihnen dringend einen Verzicht auf eine Entsendung von deutschen Tornado-Düsenjägern und Soldaten in den Süden Afghanistans anzuraten.
Einbindung in die Strategie militärischer Gewalt hieße, zur Irakisierung Afghanistans beizusteuern. Gleichzeitig würde sich Deutschland durch eine fatale Grundsatzentscheidung dem Zwang aussetzen, sich künftig von beliebigen weiteren kriegerischen Unternehmungen von NATO oder USA automatisch vereinnahmen zu lassen.
Die Erkundung von Zielen für Bomben und Raketen ist Bestandteil kriegerischen Handelns, das erfahrungsgemäß nur neuen terroristischen Hass und neue blutige Gewalt hervorbringt.
Mehr als drei Viertel der Bundesbürger lehnen im Augenblick laut Forsa-Umfrage (s. Anlage) die Tornado-Entsendung ab. In der Ablehnung sind sich die Anhänger aller Parteien des Bundestages grundsätzlich einig. Es ist die wegweisende Bedeutung Ihrer Entscheidung, die uns als Ärztebewegung dazu veranlasst, an Sie nachdrücklich zu appellieren, den eindeutigen Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung gegen eine Tornado-Entsendung unbedingt zu beherzigen."
Für nähere Information zum Forsa-Umfrageergebnis oder Stellungnahmen wenden Sie sich bitte an: Sven Hessmann, Pressereferent, Tel: 030 69 80 74 14, E-Mail: hessmann@ippnw.de
oder Angelika Claußen, Tel: 0521 152213 oder mobil 0172 588 2786
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