Wenn die IPPNW dennoch meint, sich feiern zu müssen, wird Mut von ihr verlangt werden.
Warum wurde sie zu einer weltweit wahrgenommenem NGO? Sie hatte ein Anliegen. Und brachte dieses gegen erhebliche Widerstände von Politik und Gesellschaft auf die Tagesordnung, beschimpft, verleumdet und bekämpft. Jetzt ist der kalte Krieg vorbei. Atomwaffen gibt es immer noch. Die Aufgabe ist also noch nicht erfüllt. Alles kann plötzlich wieder aktuell werden. Denn der konventionelle Krieg hat bereits begonnen.
Ein zweites Anliegen, die zivile Nutzung der Atomenergie in Deutschland zu beenden, ist gescheitert. Wenn die IPPNW den "Atomausstieg" als grandioses Täuschungsmanöver der Regierung brandmarkt, findet sie sich in der Schmuddel-ecke wieder. Wie einst.
Was wird heute von der IPPNW erwartet?
Es reicht nicht aus, das Übel der Welt nur zu analysieren und zu beklagen und die Lösungen den Mächtigen zu empfehlen.
Die IPPNW wie die anderen NGOs - müssen sich einmischen und zwar mutig und konkret. "Den Mund aufmachen" war die schlichte Antwort von Pierre Bourdieu, dem französischen Soziologen, auf die Frage von Günter Grass, was sie denn beide angesichts des weltweiten Neoliberalismus und der zunehmenden Macht der Wirtschaft noch tun könnten.
Nur: wer den Mund aufmacht, muß erstens etwas zu sagen haben, und darf zweitens sich nicht wundern, wenn versucht wird, ihm den Mund zu stopfen.
Die IPPNW hat bei ihrer Geburtstagsfeier Gelegenheit, in aller Deutlichkeit festzustellen:
Der Krieg der USA und ihrer Verbündeten - und damit auch Deutschlands - ist kein Kampf gegen den Terrorismus, sondern ein Kampf um Öl und weltweite Ressourcen. Er ist vom Völkerrecht nicht gedeckt, ein Angriffskrieg und somit ein Verbrechen.
Der "Atomausstieg" ist kein Ausstieg, sondern ein Täuschungsmanöver der Bundesregierung. Der Besitz der Atomindustrie wird geschützt, das Grundrecht der Bevölkerung auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Eigentum wird von allen staatlichen Organen mißachtet.
Dem Neoliberalismus wird von der Bundesregierung in Deutschland Tür und Tor geöffnet zum Nutzen der Konzerne und Finanzmärkte, zum Schaden der Demokratie und der Menschen.
Wer von der IPPNW wird bei dem Festakt vor geladenen Gästen aus Politik und Gesellschaft, vor dem Bundespräsidenten und den Medienvertretern den Mut finden, solche einfachen Sätze zu formulieren und damit den ursprünglichen Zielen der IPPNW treu zu bleiben?
Jürgen Hölzinger
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