A- | A | A+
RSS  Drucken   Senden
IPPNW

Uran: gefährlicher Rohstoff

mit katastrophalen Umweltfolgen

Abraumbecken der Anaconda-Uranmine beim Laguna-Pueblo, New Mexico. Foto: Dan Budnik

Das Uran wird für die Atomenergie und für Waffen abgebaut. Dennoch ist so gut wie gar nichts über die Folgen des Uranabbaus bekannt. Jeder einzelne Schritt der nuklearen Brennstoffkette ist mit Unfallrisiken behaftet, erzeugt Atommüll und verseucht die Umwelt. Die Folgen eines Super-GAUs sind seit der Tschernobyl-Katastrophe vielen Menschen ein Begriff, über die Umweltzerstörungen und Gesundheitsschäden durch den Uranabbau wird dagegen in den Medien kaum berichtet.

Verseuchtes Wasser
Da die Konzentration von Uranerz meist sehr niedrig ist, müssen für die Gewinnung von Uran große Gesteinsmengen abgebaut werden. Bei einem durchschnittlichen Urangehalt des Gesteins von 0,1% ist 99% des Gesteins Abfall. Die Folgen sind desaströs für Umwelt und Menschen. Große Mengen radioaktiv und chemisch verseuchter Grubenabwässer werden in die nächstliegenden Flüssen und Seen gepumpt. Bei Stilllegung von Uranbergwerken werden diese einfach geflutet. Radioaktive und mit Schwermetallen verseuchte Gruben- abwässer gelangen ins Grundwasser.

Radongas wird freigesetzt
Meist in unmittelbarer Umgebung zur Urangrube findet die weitere Aufbereitung des Urans statt, das “Milling”. Das Uranerz wird zu gelbem Pulver, dem “Yellowcake” zermahlen. Während die Hälfte des im Gestein eingeschlossenen gesundheitsgefährdenden Radongases schon beim Abbau freigesetzt wird, löst sich der Rest beim Mahlprozess.

Das Edelgas Radon ist ein Produkt der natürlichen Uran- und Thorium-Zerfallsreihen. Für Radon-Belastungen ist in erster Linie Radon-222 verantwortlich. Die Radon-Konzentrationen in Deutschland liegen im Mittel bei 50 Becquerel/m3 in Wohnräumen. An Orten mit Uranerzabbau treten allerdings Spitzenwerte von 2.000 bis 3.000 Bq/m3, vereinzelt alarmierende Werte von 100.000 Bq/m3 auf. Deutlich erhöhte Lungenkrebsrate sind die Folge.

Tailings: Radioaktive Stäube
Das Gesteinsmehl wird danach chemisch aufbereitet, z.B. durch die Zugabe von Ammoniak. Dabei wird das Uran in Ammoniumdiuranat umgewandelt. Es wird wegen seiner gelben Farbe auch “Yellowcake” genannt. Der größte Teil des Uranerzes bleibt als feiner Schlamm zurück, der in Absetzbecken geleitet wird. Diese so genannten “Tailings” sind radioaktiv, bestehen aus langlebigen Isotopen und stellen eine langjährige Gefahr dar. Oft wurden und werden ganze Täler damit aufgefüllt. Weltweit lagern bereits über 1 Milliarde Tonnen “Tailings”, jährlich kommen weitere 20 Millionen hinzu. Tailings sind anfällig für Winderosion, so dass der gefährliche Staub auch über größere Strecken verblasen werden kann. Es kommt in den USA vor, dass die Sande von trockenen Tailings zum Hausbau verwendet werden. Immer wieder brechen Dämme von Tailings, so dass radioaktives Material ausläuft. Tailings sind nicht nur radioaktiv, sie erhalten auch Schwermetalle wie Arsen.

Konversion und Anreicherung
Der Yellowcake  wird in eine sehr giftige, chemisch agressive Substanz umgewandelt: Uranhexafluorid (UF6) und oft über sehr weite Distanzen transportiert, z. B. von Australien nach Europa. Während der Konversion fällt genauso viel Atommüll wie UF6 an.

Das Naturan muss “angereichert” werden, bevor es in einem Atomkraftwerk verwendet werden kann. Durch den Prozess der Anreicherung fällt viel “abgereichertes” Uran an. Dieser Atommüll wird oft für Munition verwendet, die Panzerung oder Beton durchbrechen kann.

Beispiel Niger
Deutschland ist ein Importland von Uran. Die Umwelt- und Gesundheitsfolgen der Urangewinnung haben die Herkunftsländer zu tragen. Darunter sind auch Länder wie Niger, einem der derzeit wichtigsten Uran exportierenden Länder und gleichzeitig eines der ärmsten Länder der Welt.

Das unabhängige Institut CRIIRA führte zwischen 2003 und 2005 eine Untersuchung der Umweltfolgen von Uranabbau im Niger durch und stellte dabei fest:

  • eine überhöhte Strahlenbelastung von Trinkwasserproben;
  • hohe Belastung der Minenarbeiter und Bevölkerung in der Region durch Radonfreisetzung aus der Mine sowie aus den Tailings;
  • unzulängliches Abfallmanagement für Abraum und Tailings;
  • unzulängliche Beseitigung der Folgen eines Transportunfalls (2004), noch einen Monat später war die deutlich erhöhte Strahlenbelastung messbar;
  • radioaktiv belastetes Altmetall wird nicht angemessen entsorgt und wird regelmäßig auf den Märkten zum Verkauf gefunden.

... zurück