ND: Weshalb üben die deutsche wie die indische Sektion von Ärzte gegen den Atomkrieg heftige Kritik am Nukleardeal USA-Indien?
Hall: Es wird oft behauptet, mit dem Abkommen würde man Indien mehr an den Atomwaffensperrvertrag bzw. an das Nichtverbreitungsregime heranrücken. Aber wir sehen nichts dergleichen. Der Deal dient in erster Linie kommerziellen Interessen der Atomindustrie und hat absolut nichts mit Abrüstung zu tun. Indiens Kernwaffenprogramm wird damit eher gefördert als gekappt.
Wie kann der Deal abgewendet werden was können Nichtregierungsorganisationen tun?
Wir machen deutlich machen, was dahintersteckt: Wenn das Verbot von Nuklearexporten für Indien aufgehoben wird, ist dies das Ende des Nichtverbreitungsregimes. Andere Länder wie Iran werden gleiche Rechte geltend machen, und China wird einen ähnlichen Deal mit Pakistan machen wollen. Außerdem wird es dann für die Atomindustrie kein Halten mehr geben. Da sie in Europa immer weniger verkaufen kann, will sie sich neue Märkte in Asien sichern. Es geht um knallharte Marktinteressen.
Ist es ein Zufall, dass der nächste IPPNW-Weltkongress in Indien abgehalten wird?
Nein. Indien entwickelt sein Atomwaffenarsenal gegenwärtig am schnellsten von allen Kernwaffenstaaten. Deshalb hat die indische IPPNW-Sektion gebeten, den Kongress in Delhi zu veranstalten. Sie will gegenüber ihrer Regierung ein Zeichen setzen: Es gibt im eigenen Land und auch weit darüber hinaus eine starke Opposition zu diesen Ambitionen.
Was erwarten Sie von der Bundesregierung?
Sie sollte innerhalb der Nuclear Suppliers Group gegen eine Aufhebung des Embargos votieren. Aber die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Atomlobby sind offenbar sehr stark Siemens zum Beispiel möchte Turbinen für neue indische Reaktoren liefern. Doch darf der Deal die Kontrollgruppe nicht ohne Widerstand, nicht ohne die Formulierung von bestimmten Bedingungen für Indien passieren. Zum Beispiel die Verpflichtung, keine Tests mehr durchzuführen und die Produktion von waffenfähigem Nuklearmaterial einzustellen.
Fragen: Jochen Reinert
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