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Atomwaffen A-Z

Whistleblower: Das britische Trident-Atomwaffensystem ist marode

20.05.2015

Am Sonntag, den 17. Mai 2015 berichtete die schottische Zeitung Sunday Herald, dass ein Ingenieur auf dem Atom-U-Boot HMS Victorious gravierende Probleme mit dem britischen Atomwaffensystem gemeldet habe. In seinem 18-seitigen Bericht beschreibt er Zustände auf den U-Booten, die einem "vorprogrammierten Desaster" gleichkämen. Bisher spricht alles dafür, dass seine Aussage glaubwürdig ist. William McNeilly ist inzwischen in Haft, nachdem er sich mehrere Tage nach der Veröffentlichung des Berichts auf der Flucht ins Ausland am Flughafen in Schottland der Militärpolizei gestellt hat.

Der Bericht von McNeilly beschreibt im Detail, wie einfach es sei, überhaupt Zugang zu den U-Booten und deren Atomraketen zu bekommen. Die Kontrollen seien mangelhaft und meistens fehle eine Gesichtskontrolle. Manchmal würde der Pass aus vier Metern Entfernung angeschaut. Er habe es sogar geschafft, nur mit einer weißen Zimmerkarte durch zu kommen.

Auch das System auf dem U-Boot sei so marode, dass fast alles reparaturbedürftig sei. Manchmal musste das U-Boot binnen kurzer Zeit zurück in den Hafen kehren, weil es nicht seetauglich gewesen sei. Zwei U-Boote sollen immer zeitgleich auf Patrouille sein, aber das sei nicht immer möglich gewesen, weil der Zustand der U-Boote es nicht zugelassen habe.

Feuer und Flut seien auf den U-Booten öfters vorgekommen und die Alarmsysteme hätten so häufig geläutet, dass sie lautlos gestellt wurden. Neben den Atomraketen hätte die Crew einen Fitnessbereich eingerichtet und es sei schon mal passiert, dass Gewichtshanteln beinahe eine Rakete getroffen hätten.

Laut McNeilly sei auch der Zustand der Menschen an Bord katastrophal. Er erwähnt sogar einen Amoklauf, Suizid und Beispiele von Aggressivität bis hin zu Gewaltakten oder psychischen Probleme. Es gibt zu wenig Personal und daher wird der Aufnahmeprozess beschleunigt, so dass HIntergrundchecks mangelhaft seien oder Menschen mit zu wenig Erfahrung in leitende Positionen kämen. Es gebe manchmal keine Pause zwischen Patrouillen und manche Leute erreichten ihre psychischen Grenzen und bekämen Burnout-Symptomen.

McNeilly erzählt von einem Buch über U-Boot-Unfälle, das belegt, dass viele Unfälle vertuscht werden. Die Kollision zwischen HMS Vanguard und einem französisches U-Boot sei jedoch nicht im Buch eingetragen, sondern wurde ihm nur mündlich erzählt. Das U-Boot wurde gravierend beschädigt und sei kaum in der Lage gewesen, in den Hafen zurück zu kommen. “Wir glaubten, dass wir alle jetzt sterben müssen”, sagte ihm ein Augenzeuge.

McNeilly behauptet, dass er mehrmals versucht hätte, seine Vorgesetzte wegen der schlimmen Zustände anzusprechen, aber niemand wurde aktiv. Deswegen hätte er den Bericht veröffentlicht, unter dem Titel “Die geheime nukleare Bedrohung” und sei danach geflüchtet. Die Reaktionen auf dem Bericht sind sehr unterschiedlich: Die britische Marine dementiert seine Vorwürfe, anscheinend wird er aber nicht wegen Geheimnisverrat angeklagt, sondern nur aufgrund von Abwesenheit ohne Erlaubnis. Der schottische Abgeordnete Angus Robertson will wiederum, dass er für seinen Mut ausgezeichnet wird.

Euan Bryson, ein ehemaliges Mitglied der königlichen Marine bestätigt McNeillys Vorwürfe teilweise. Gegenüber dem „Guardian“ sagte er, dass aufgrund von Personalmangel öfter unqualifizierte Matrosen für anspruchsvolle Aufgaben an Bord der Atom-U-Boote abgestellt worden seien. Außerdem sei einer seiner Kollegen ohne den erforderlichen Ausweis auf die Basis Faslane-on-Clyde gelangt. xh (Quellen: Sunday Herald, BBC)

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IPPNWaktuell über die geplante Modernisierung der US-Atomwaffen in Europa.

Webdossier

UN-Hauptquartier in New York. Foto: UN

Vom 27. April bis 22. Mai 2015 fand in New York die Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag statt. 
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