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Flugblatt

Atomstrom adé!

Atomkraftwerke abschalten - Zusammen können wir es!

"Atomkraftwerke abschalten - Zusammen können wir es!" unter diesem Motto wirbt die IPPNW-Studierendengruppe Berlin seit Beginn dieses Semesters, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Sie stellen Kriterien vor, auf die beim Stromwechsel generell geachtet werden sollte, informieren über regnerative Energieformen und geben Tipps zum Stromsparen.

Die Atomindustrie will uns weissmachen, Atomstrom sei aus wirtschaftlichen und umweltschützerischen Gründen unverzichtbar, und die Risiken seien vernachlässigbar. Dem ist nicht so!

1) Atomenergie ist gefährlich!
Radioaktive Strahlen schädigen unsere Erbinformationen. Unser Körper kann eine geringe Anzahl von Schädigungen durch natürlich vorkommende Radioaktivität reparieren, hinzukommende künstliche Strahlung erhöht jedoch das Risiko, dass die Schädigungen nicht mehr repariert werden können.
Immer wieder gibt es Störfälle - auch in deutschen Atomkraftwerken -, bei denen radioaktives Material frei wird. Der größte Störfall geschah 1986 in Tschernobyl: bis zu 70000 Menschen kamen infolge des Tschernobyl-Unfalls ums Leben, die Häufigkeit von Schilddrüsenkrebs und weiteren Krebsarten (Prostatakrebs, Brustkrebs) ist stark angestiegen. 500000 Menschen mussten umgesiedelt werden. Deutschland ist im Vergleich zur Ukraine dichter besiedelt, ein dem Tschernobyl-Unfall vergleichbarer Störfall würde weitaus mehr Menschen betreffen. Der finanzielle Schaden wird auf 5400 Milliarden Euro geschätzt. Die Atomenergieunternehmen haben aber nur eine Schadensdeckung von 2,5 Milliarden Euro. Fast alle Kosten müssten also vom Staat, bzw. von uns als seinen Bürgern übernommen werden, während die Unternehmen die Gewinne einfahren.

2) Atomenergie ist unsicher!
Zu einer Kernschmelze (Unfall vom Tschernobyl-Typ) eines Reaktorblocks kommt es nach der "Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B" mit der Wahrscheinlichkeit von 0,0029% pro Jahr, bei einer Laufzeit von 40 Jahren macht das pro Atomkraftwerksblock 0,1%. In Europa über 40 Jahre 16%: das ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Würfelwurf eine 6 zu würfeln.

3) Atomstrom ist umweltschädlich!
Atomstrom schafft Atommüll und der strahlt für die nächsten Jahrtausende. Sichere "Endlagerungsstätten" gibt es nicht: Niemand kann wissen, wie Atommüllbehälter und -lager auf tausend Jahre Strahlung reagieren. Die Gewinnung des Urans schafft riesige Abraumhalden und zerstörte Natur. Die Herstellung von Brennstäben für die Atomkraftwerke, der Bau und Abriss der Atomkraftwerke sind sehr energieintensiv: Pro Kilowattstunde Atomstrom entstehen so 54g CO2, bei regenerativen Energien sind dies mit der Herstellung etc 2g.

4) Es gibt einen Ausweg!
Neben politischen Entscheidungen können wir alle mit eigenen Maßnahmen Atomkraftwerke überflüssig machen und den Einsatz von fossilen Brennstoffen (Kohle, Gas, Öl) zurückdrängen:

1. Energiesparen: Dazu mehr Tipps weiter unten.

2. Wechsel zu einem Stromanbieter, der keinen Atomstrom verkauft und auch nicht mit der Atomwirtschaft verbunden ist. Mehr Infos dazu gibt es auf den folgenden Seiten!
Welcher Anbieter und warum?

Es gibt eine Vielzahl von Ökostrom-Anbietern, die sich alle in kleinen Dingen unterscheiden. Auf den folgenden zwei Seiten stellen wir die Punkte vor, auf die beim Stromwechsel generell geachtet werden sollte. Letztendlich muss jedeR für sich selbst entscheiden, welche Kriterien die ausschlaggebenden sind.

1. Drängt der Stromwechsel Atom- und Kohlestrom zurück?
Das zeigt sich daran, ob der Anbieter regenerativen Strom aus Neuanlagen (bei Firmengründung nicht älter als 5 Jahre) nutzt und den Ausbau von Neuanlagen fördert. Nur damit wird Atomstrom langfristig überflüssig. „Konventionelle“ Unternehmen, die aus ihrem Strommix regenerativen Strom aus Altanlagen abspalten und teurer verkaufen, dafür den restlichen Kunden vermehrt Atomstrom liefern, bringen keinen Nutzen (z.B. EON Aqua power).

2. Wieviel investiert der Anbieter in Neuanlagen zur Produktion von regenerativem Strom?
Hier ist es wichtig, ob von jeder kWh ein Betrag investiert wird, ob vom Gewinn (kein Gewinn => keine Investition) oder vom Erlös (Investionen garantiert) investiert wird.

3. Wie sind die Besitzverhältnisse der Firma (Genossenschaft / Aktiengesellschaft etc.)? Gibt es Verknüpfungen mit der Atomwirtschaft?

4. Ist in den Kosten alles inklusive?
Zählermiete, Steuern, Durchleitungskosten und Bearbeitungsgebühren sollten in der Grundgebühr enthalten sein. Durch unterschiedliche Grund- und Arbeitspreise entstehen bei verschiedenen Jahresverbräuchen andere Reihungen bei der Kostengünstigkeit der Anbieter.

5. Wie lange sind Kündigungsfristen und Vertragsmindestlaufzeit?



Welche regenerativen Energieformen gibt es?

1. Windkraft
Inzwischen Anlagen bis zum Megawatt-Bereich in großen Windparks, vom Standort und ästhetisch teilweise umstritten. Potential mit heutiger Technik: ca 200 TWh/a (35% des Strombedarfs)

2. Wasserkraft
Größere (Stauseen) und kleinere Laufkraftwerke können an geeigneten Standpunkten auch von Privatpersonen errichtet werden (z.B. alte Mühlen). Für Neuanlagen Potential eher gering.

3. Biomasseanlagen
Dezentrale Anlagen, teilweise kombiniert mit Kraftwärmekopplung, zur Nutzung von Methangasen aus Gülle und Biomasse aus Reststoffen. Potential: ca. 10% des Stromverbrauchs.

4. Solarenergie
Solarzellen mit wachsendem Wirkungsgrad und sinkenden Kosten. Potential: auf Dachflächen mind. 84 TWh/a (15% des Strombedarfs), gesamt eingestrahlte Sonnenenergie reicht für 100%.

Kraft-Wärme-Kopplung ist keine regenerative Energie im eigentlichen Sinn, nutzt aber die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme zu Heiz-/Produktionszwecken => effizientere Energieausnutzung (ca 60% im Vergleich zu 30% bei (Kohle-/Atom-) Großkraftwerken) Z. Teil lassen sich auch Privat(öl)heizungen zur Stromerzeugung aufrüsten. Besonders günstig sind dezentrale Gas-Kraftwärme-Kopplungs-Anlagen.

Energiespartipps für zuhause:

Weniger Strom zu verbrauchen spart nicht nur Energie, sondern auch Geld. Und machen Atomkraftwerke überflüssig.

Energiesparlampen statt Glühbirnen
Energiesparlampen haben eine ca. 8fache Lebensdauer und brauchen nur ca. 1/5 der Energie, die Glühlampen benötigen. Der Einsatz von Energiesparlampen spart Strom und Geld. Allerdings sollten die Energiesparlampen nicht nach zu kurzer Zeit ausgeschaltet werden, da das die Langlebigkeit beeinträchtigt.

Beim Kochen: Deckel drauf!
Damit wird 2/3 weniger Energie verbraucht als beim Kochen ohne Deckel. Je weniger Flüssigkeit beim Garen verwendet wird, desto weniger Strom wird benötigt. Der Topfboden sollte die Größe der Herdplatte haben, damit die Platte nicht die Luft heizt. Wenn lange gegart werden muss, sparen Schnellkochtöpfe Energie, weil sie nach dem Aufheizen auf kleiner Stufe weiterkochen können. Vorheizen des Backofens ist überflüssig, vor allem in Umluftherden. Sowohl Kochplatte als auch Herd können einige Minuten vor Koch- bzw. Backende ausgeschaltet werden, die Restwärme reicht.

Duschen statt Baden,
das gilt vor allem für Warmwasserbereiter in Elektro-Durchlauferhitzern.

Standby-geschaltete Geräte ganz ausschalten,
z.B. mit einer Steckerleiste mit Schalter. Netzteile bei Nichtbetrieb ebenfalls vom Netz trennen.

Auf Netzteil umsteigen
Batterien verbrauchen bei der Herstellung 40mal mehr Strom als sie liefern: auf Akkus, am besten aber auf Netzteil umsteigen.


Verwendete Literatur und weitere Infos:
- Paulitz: Fakten zur Atomenergie - Hintergrundinformationen. www.facts-on-nuclear-energy.info von IPPNW und Eurosolar
- EWS Stromsparbroschüre. www.ews-schoenau.de/Download/files/Stromsparbroschuere.pdf
- greenpeace-energy Stromspartipps. www.greenpeace-energy.de/upload/download/publikationen/stromspartipps_haushalt.pdf
- Bund der Energieverbraucher e.V., Anbietervergleich Ökostrom. www.energienetz.de/pre_cat_41-id_89-subid_377-subsubid_1241.html
- Stiftung Warentest Übersicht Grüner Strom. service.warentest.de/online/umwelt_energie/infodok/1132228/1132228.html
- “Ökostrom von unten” Website. www.projektwerkstatt.de/strom/strom.html
- www.klimastaffel.de

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