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Atomkraftwerken geht der Brennstoff aus

Wann wird das knappe Uran zum Kriegsgrund?

Anlässlich des 19. Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl weist die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW darauf hin, dass die Atomenergie nicht nur Gesundheit und Umwelt sondern zugleich in hohem Maße die internationale Sicherheit gefährdet. Das immer knapper und teurer werdende Uran könnte schon bald zu Kriegen mit Bundeswehrbeteiligung führen.

"Wenn es darum geht, Kriegsursachen zu vermeiden, dann steht der unverzügliche Ausstieg aus der Abhängigkeit von Erdöl, Erdgas und Uran und der zügige Aufbau einer Solarwirtschaft an erster Stelle", so der IPPNW-Atomenergie-Experte Henrik Paulitz. "Die Diskussion um eine Renaissance der Atomenergie ist vor dem Hintergrund der knappen Uran-Reserven eine Geisterdebatte, die mit der realen Welt wenig zu tun hat", so Paulitz weiter. "Bei nüchterner Betrachtung müssen wir feststellen, dass die Energierohstoffe Erdöl, Erdgas und Uran immer knapper und teurer werden. Schon jetzt werden Kriege um das Erdöl geführt. Mit Russland tobt ein Wirtschaftskrieg um den Zugang zu den knappen Erdgasreserven. Wann marschiert die Bundeswehr in Namibia, Niger, Russland oder in Kasachstan ein, um dort die knappen Uranreserven für Deutschland zu sichern?"

Der Uranbedarf für die weltweit über 440 kommerziellen Atomkraftwerke liegt bei rund 62.000 Tonnen pro Jahr. Allein die Europäische Union hat einen jährlichen Bedarf von etwa 20.000 Tonnen Uran. Die "wirtschaftlich" gewinnbaren Uranreserven wurden von der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) und der OECD Nuclear Energy Agency (NEA) im Jahr 1999 im so genannten "Red Book" ausgewiesen. Demnach sind - je nach Höhe der unterstellten Förderkosten - insgesamt noch zwischen 1,25 und 4 Millionen Tonnen Uran mehr oder weniger "wirtschaftlich" abbaubar. Es handelt sich zum Teil um gesicherte, zum Teil aber nur um vermutete Uranvorkommen.

Die Gesamtmenge des großteils nur sehr aufwendig und entsprechend teuer zu gewinnenden Urans reicht noch maximal etwa 65 Jahre lang. Die preislich günstigeren Reserven reichen gerade noch 20 Jahre lang.

Würde man die Atomkraftwerkskapazitäten ausbauen, wäre noch schneller Schluss. Nach den Vorstellungen der IAEA könnte sich der Uranbedarf bei einem Ausbau der Atomenergie bis zum Jahre 2050 auf insgesamt 7,6 Millionen Tonnen summieren. Angesichts der geschätzten Gesamtmenge von "wirtschaftlich" gewinnbarem Uran von nur 4 Millionen Tonnen wären die Reserven aber schon lange vor 2050 erschöpft. Schnelle Brutreaktoren, mit denen man ursprünglich die knappen Uranreserven zeitlich strecken wollte, sind weltweit aus Sicherheitsgründen und wegen der hohen Kosten gescheitert. In Deutschland wurde der Schnelle Brüter in Kalkar aufgegeben.

Angesichts des knappen Urans, des ungelösten Atommüllproblems und der Gefahren einer Atomkatastrophe kann die Atomenergie nach Auffassung der IPPNW kein Gegenstand einer seriösen Debatte um die zukünftige Energiepolitik mehr sein. "Die von der Atomlobby entfachte Diskussion um eine Renaissance wirkt, als wollte ein Kind sein Spielzeug nicht hergeben. Und Atomausstieg bedeutet auch nicht, dass wir in sieben Jahren Rot-grün in Deutschland zwei Mini-Atomkraftwerke wie Obrigheim und Stade vom Netz nehmen. Ausstieg aus der Abhängigkeit vom knappen Uran bedeutet, dass wir die 17 großen 1300-Megawatt-Blöcke schnellstens abschalten," so Henrik Paulitz.

Kontakt: IPPNW, Henrik Paulitz, Tel. 0621-39 72 668 oder mobil 0171-53 888 22

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