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Atomstrom ist für die Energieversorgung verzichtbar

Ein fast bedeutungsloser Energieträger

Um die Bedeutung der Atomenergie zu vergrößern, beschränkt sich die Atomwirtschaft meist auf die Darstellung des Anteils der Atomenergie an der Stromerzeugung. Der Energiebedarf der Menschheit beschränkt sich aber keineswegs nur auf den Bedarf an elektrischem Strom. Weitaus größere Energiemengen werden benötigt für den Verkehr und für Wärmezwecke (zum Kochen, Heizen und für industrielle Prozesse). Die Atomenergie ist für die Energieversorgung der Menschheit fast bedeutungslos.

 

Eigentlich ist die Atomenergie relativ unbedeutend: Nach der Energiestatistik der International Energy Agency ("Key World Energy Statistics 2003") wurden im Jahr 2001 weltweit 2 653 Terawattstunden Atomstrom erzeugt. Diese Menge Atomstrom entsprach lediglich 6,9 Prozent des globalen Primärenergiebedarfs.

 

Offizielle Energiestastik: Vergleich von Äpfeln mit Birnen

 

 

Das ist natürlich problematisch, weil so Äpfel mit Birnen verglichen werden: Im einen Fall gibt man die Primärenergie an, mit denen das Kraftwerk betrieben wird (Uran, nicht Atomstrom), im anderen Fall gibt man die Energie an, die aus der Anlage herauskommt (Strom, nicht Wasser, Wind bzw. Sonne).

 

Beitrag der Atomenergie zur Energieversorgung: 2,3 Prozent

 

Unterstellt man hier vergleichbar der Atomenergie einen Umwandlungswirkungsgrad von 33%, resultiert beispielsweise für die Stromerzeugung aus Wasserkraft, der nach der Wirkungsgradmethode ein Anteil von 2,2% beigemessen wird, heute schon einen Primärenergieanteil von 6,6%.

Man kann dies auch genau umgekehrt betrachten und die Atomenergie genauso bewerten wie die Wasserkraft. Dann ergibt sich, dass die Atomenergie im Jahr 2001 nur 2,3 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs deckte!

 

Das zeigt: Allein die Wasserkraft trug mit 2,2 Prozent fast genau so viel zum Weltenergiebedarf bei wie die Atomenergie mit 2,3 Prozent.

 

Stromerzeugung aus Wasserkraft: Fast genau so viel wie Atomstrom

 

Durch die offizielle Primärenergiestatistik entsteht aber eine drastische Schieflage: Trotz nahezu gleicher Stromerzeugung weist die International Energy Agency für Wasserkraft einen Primärenergieanteil von nur 2,2 Prozent aus, während der Anteil der Atomenergie künstlich von 2,3% auf 6,9% hochgeschraubt wird.

Verdoppelt sich der Primärenergiebedarf bis zum Jahr 2050 - so wie es die Weltenergieszenarien großteils annehmen - dann würde die Atomenergie völlig bedeutungslos und könnte im Jahr 2050 selbst bei einem unterstellten moderaten Ausbau der Atomenergie gerade mal 1 bis 2 Prozent des Weltenergiebedarfs decken - vorausgesetzt, es wären noch erschwingliche Uranreserven vorhanden.

 

Die erneuerbaren Energien insgesamt machen schon heute einen weitaus höheren Anteil des Weltenergiebedarfs aus als die Atomenergie.

 

Schon heute weitaus mehr Energie aus Erneuerbaren Energien als aus Atomenergie

 

Schon bis zum Jahre 2004 kam es aufgrund des Zubaus insbesondere von Windkraftanlagen und Solaranlagen zu einem nennenswerten Anstieg des Anteils der erneuerbaren Energien (offizielle Zahlen hierzu lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor).

Deutschland 2005: 6,4 Prozent erneuerbare Energie - 5,7 Prozent Atomstrom

Im Jahr 2005 hatten die erneuerbaren Energien einen Anteil von 6,4 Prozent an der Endenergieerzeugung für Strom, Wärme und Verkehr [Bundesumweltministerium, Erneuerbare Energien in Zahlen - nationale und internationale Entwicklung, Mai 2006, S. 10].

 

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) wies auf dem bemerkenswerten Umstand hin, dass die erneuerbaren Energien 2005 mit ihren 6,4 Prozent schon jetzt einen höheren Beitrag zu dem für die Energieversorgung tatsächlich relevanten Endenergieverbrauch beitrugen als die Atomenergie mit nur 5,7 Prozent.

 

Fazit

 

Von Henrik Paulitz

 

Die Menschheit kann auf den geringen Beitrag der Atomenergie durchaus verzichten. Die Risiken atomarer Unfälle und die Produktion von hochradioaktivem Atommüll stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem geringfügigen Gewinn an Energie für eine kurze Zeitspanne. Atomstrom ist gefährlich und überflüssig.Betrachtet man nicht nur die Wasserkraftwerke, sondern auch die aus Windkraftanlagen, Solaranlagen und insbesondere die über die verschiedenen Formen der Biomasse gewonnene Energie, dann lag der Anteil der erneuerbaren Energien im Jahr 2001 in der Größenordnung von 13 Prozent (Primärenergie). Dass dies kein Rechentrick ist, lässt sich auch unmittelbar der Statistik der International Energy Agency für das Jahr 2001 entnehmen. Demnach wurden 2646 Terawattstunden Atomstrom und 2569 Terawattstunden Strom in Wasserkraftwerken erzeugt. Die Wasserkraftwerke lieferten also fast genau so viel Strom wie die Atomkraftwerke. Mit der so genannten Substitutionsmethode lässt sich dieses Problem auflösen. Hierbei werden nicht nur beim Atomstrom die Umwandlungsverluste im Atomkraftwerk berücksichtigt, sondern auch bei Strom aus erneuerbaren Energien ein Primärenergieverbrauch angenommen; dieser entspricht der Energiemenge, die bei einer gleich hohen Stromerzeugung in durchschnittlichen fossilen Kraftwerken (die sie je substituieren, daher der Name Substitutionsmethode) erforderlich sein würde.Doch selbst dieser geringe Anteil stellt eine Überbewertung der Atomenergie dar. Denn bei Strom aus Wasserkraftwerken, Windkraftanlagen und Solaranlagen wird nach statistischen Gepflogenheiten (Wirkungsgradmethode) als Primärenergie nicht etwa die Energie des Wassers, des Windes oder der Sonne angegeben - so wie man es beim Uran macht. Als Primärenergie wird - im Unterschied zur Atomenergie - nur die Energiemenge des gewonnenen Stroms selbst gewertet.

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