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Aus dem ATOM-Energie-Newsletter September 2016

Alternative Stilllegungs-Strategie für deutsche Atomkraftwerke

AKW Grohnde. Foto (bearbeitet): Michael Gäbler/creativecommons.org/licenses/by/3.0
12.09.2016

Die Atomindustrie möchte die deutschen Atomkraftwerke nach ihrer Stilllegung zurückbauen und den überwiegenden Teil der Abrissmaterialien u.a. per „Freigabe“ in den konventionellen Stoffkreislauf übergeben. Die Ärzteorganisation IPPNW hatte Anfang 2016 angeregt, eine alternative Stilllegungsstrategie zu prüfen: Ein auf Dauer angelegter Einschluss der Atomkraftwerke nach der Entnahme der schwach , mittel  und hochaktiven Stoffe und somit ein Verbleib des „Freigabe-Mülls“ am Standort. Ein Gutachten belegt nun, dass dies machbar ist und die Strahlenbelastung der Bevölkerung reduzieren würde. In Betracht kommt entweder ein Verbleib des Freigabe-Mülls in den Atomkraftwerks-Gebäuden oder in einem zu errichtenden Bunker am Standort.

 

IPPNW-Option „Stehenlassen nach Entkernung“

Die IPPNW hat bei der Intac GmbH eine gutachterliche „Stellungnahme zu einem Verbleib von gering radioaktiven Materialien aus der Stilllegung von Atomkraftwerken an deren Standorten“ in Auftrag gegeben. Der Physiker Wolfgang Neumann empfiehlt in seiner Stellungnahme, die skizzierte IPPNW-Option „Stehenlassen nach Entkernung“.

Er begründet diese Option „mit der nachhaltigen Verringerung des Radioaktivitätsinventars von ca. 1017 Bq auf geringer als 109 Bq, mit Vorteilen beim Strahlenschutz und mit der Verringerung des Störfallrisikos.“ Der entscheidende Vorteil liegt laut Gutachten darin, dass die Strahlenbelastungen der Bevölkerung aufgrund der nicht erfolgten Freigabe als geringer einzuschätzen sind als bei den bisher in der Bundesrepublik etablierten Stilllegungsstrategien.

 

Option „Vollständiger Rückbau mit Bunker“

Alternativ umsetzbar wäre laut Gutachten eine Option „Vollständiger Rückbau mit Bunker“. Dabei würden alle beim kompletten Abbau des Atomkraftwerkes angefallenen gering radioaktiven Materialien in ein neu am Standort zu errichtendes robustes Bauwerk eingebracht werden. Auch hier würde der Bevölkerung durch die nicht erfolgte Freigabe Strahlenbelastung erspart, so Neumann.

 

IPPNW fordert Verzicht auf „Freigabe“

Es gibt demnach machbare Alternativen zu der derzeitigen Planung, beim Atomkraftwerks-Rückbau große, „gering“ radioaktive Materialmengen „freizugeben“ und in den konventionellen Stoffkreislauf zu überführen.

Realistisch in Betracht kommen zwei Alternativen, die dem Minimierungsgebot der Strahlenschutzversordnung gerecht werden: die Option „Stehenlassen nach Entkernung“ und die Option „Vollständiger Rückbau mit Bunker“. Bei beiden Alternativ-Optionen gäbe es keine unkontrollierte Verbreitung von Radionukliden durch uneingeschränkte Freigabe in die Umwelt. Auch müsste neben den Atomkraftwerksstandorten nicht an weiteren Standorten wie Deponien, Verbrennungsanlagen, Metallschmelzen oder Schrotthändler mit gering radioaktiven Materialien umgegangen werden.

Die IPPNW fordert, auf die Freigabe von Abrissmaterial von Atomkraftwerken vollständig zu verzichten und als Stilllegungsstrategie die Optionen „Stehenlassen nach Entkernung“ und „Vollständiger Rückbau mit Bunker“ vertieft zu untersuchen und in Erwägung zu ziehen.

Von Dr. Jörg Schmid und Henrik Paulitz

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Foto: AKW Grohnde. Foto (bearbeitet): Michael Gäbler/creativecommons.org/licenses/by/3.0

Ansprechpartner


Henrik Paulitz
Referent für Energiepolitik
Tel. 06257-505-1707
Email: paulitz[at]ippnw.de

Materialien

Veranstaltung

Symposium Atommüllrecht

23. Oktober 2015, Hannover

Während der Bundestag mit seiner Kommission "Lagerung hochradioaktiver Abfälle" diskutiert, wohin der hauptsächlich hochaktive Atommüll in vielen Jahrzehnten verbracht werden soll, wird gleichzeitig der Umgang mit Atommüll durch eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen, Gerichts- und Verwaltungsverfahren präjudiziert. Im Rahmen des Atommüll-Symposiums werden Praktiker die Entwicklungen in einzelnen Bereichen beleuchten und bewerten.

Ort: Rotation, ver.di-Höfe, Goseriede 10, 30159 Hannover

Informationen und Anmeldung: info@atommuellreport.de

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