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Der meiste Atommüll wird bei der Umsetzung des Atomkonsenses erst noch produziert

Konsequenzen des "Atomausstiegs"

18.01.2007

Die Diskussion um den so genannten "Atomausstieg" bzw. "Atomkonsens" erweckt den trügerischen Eindruck, als ginge es um ein zügiges Auslaufen der Atomenergie und die dadurch entstehenden Probleme seien nur noch marginal. Tatsächlich aber wird bei dem nach dem rot-grünen "Atomkonsens" vorgesehenen langjährigen Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke der meiste Atommüll in den nächsten Jahren erst noch produziert. Kommt es darüber hinaus zu einer "Fortschreibung des Atomkonsenses", dann kommt es zu einer weiteren Verschärfung des Atommüllproblems. 

Mit den neuen Standort-Zwischenlagern direkt neben den Atomkraftwerken ist ein jahrzehntelanger Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke möglich. Das in Gundremmingen von RWE beantragte - und vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigte - Standort-Zwischenlager beispielsweise ist so groß bemessen, dass es noch für Jahrzehnte den anfallenden Atommüll aufnehmen

Bis Ende 2000: 3000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll

Dies würde zu einem – gegenüber den heutigen Beständen – ganz drastischem Anstieg der Menge an hochradioaktivem Atommüll bedeuten. Nach Angaben des von der Bundesregierung eingesetzten "Arbeitskreises Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd)" entstanden bis Ende des Jahres 2000 gut 3000 Kubikmeter so genannte wärmeentwickelnde Abfälle in den deutschen Leichtwasser-Atomkraftwerken [siehe Tabelle 1; vgl. AkEnd, Auswahlverfahren für Endlagerstandorte, Empfehlungen des AkEnd, Dez. 2002, S. 16].

"Atomausstieg": 9000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll

Bei einer Nutzung der neuen Standort-Zwischenlager und einem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke unter den Bedingungen des so genannten "Atomkonsenses" bzw. "Atomausstiegs" würde die Menge hochradioaktiven Atommülls nach Angaben des Arbeitskreises ganz drastisch weiter auf insgesamt rund 9000 Kubikmeter anwachsen [ebd., vgl. Tabelle 1].

Tabelle 1: Anfall an wärmeentwickelnden Abfällen in den deutschen Leichtwasser-Atomkraftwerken bei Beachtung der Vereinbarung vom 14. Juni 2000 ("Atomausstieg") laut Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte [m3]

Atommüll-Bestand Ende 2000

3.142

Erwartete Atommüll-Produktion 2001 – 2010

3.962

Erwartete Atommüll-Produktion 2011 – 2020

1.819

Erwartete Atommüll-Produktion 2021 – 2030

24

Summe der erwarteten Atommüll-Produktion 2001 bis 2030

5.805

Erwartete Gesamt-Atommüll-Menge bis 2030 beim so genannten "Atomausstieg"

8.947

 

"Fortgeschriebener Atomkonsens": 19.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll

Wird der "Atomkonsens" auf Druck der Atomindustrie in den nächsten Jahren fortgeschrieben, dann kann die Atommüllmenge noch erheblich weiter zunehmen.

Unterstellt man, dass auf der Basis der Standort-Zwischenlager ein Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2040 oder darüber hinaus erfolgt, dann ist mit einem Anwachsen der hochradioaktiven Atommüllhalde auf eine Größenordnung von 19.000 Kubikmetern zu rechnen [siehe Tabelle 2].

Tabelle 2: Vereinfachte Fortschreibung der Produktion an wärmeentwickelnden Abfällen in den deutschen Leichtwasser-Atomkraftwerken der Jahre 2001 – 2010 bei Laufzeitverlängerungen bis 2040 [m3]

Atommüll-Bestand Ende 2000

3.142

Erwartete Atommüll-Produktion 2001 – 2010

3.962

Erwartete Atommüll-Produktion 2011 – 2020

3.962

Erwartete Atommüll-Produktion 2021 – 2030

3.962

Erwartete Atommüll-Produktion 2031 – 2040

3.962

Summe der erwarteten Atommüll-Produktion bis 2030  

15.848

Erwartete Gesamt-Atommüll-Menge bis 2040

18.990

 

Vergleich der Szenarien

Vergleicht man die Szenarien, so zeigt sich, dass bei einem Sofortausstieg aus der Atomenergie Ende der 1990er Jahre der größte Teil des entstehenden Atommülls hätte vermieden werden können. Es wären größenordnungsmäßig 3000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll angefallen.

Mit dem rot-grünen "Atomkonsens" ist - bei Einhaltung des "Ausstiegs-Fahrplans" - damit zu rechnen, dass anstelle von 3000 Kubikmeter geschätzte 9000 Kubikmeter Atommüll anfallen.

Kommt es auf Druck der Atomindustrie zu einer "Fortschreibung des Atomkonsenses", indem durch eine einfache Änderung des Atomgesetzes den Atomkraftwerken weitere Stromproduktionsmengen zugebilligt werden, dann kann die Menge an hochradioaktivem Atommüll bis zum Jahr 2040 leicht zu einer Größenordnung von 19.000 Kubikmetern anwachsen (vgl. Tabelle 3).

Die rot-grüne Bundesregierung hat mit der Genehmigung großzügig bemessener Standort-Zwischenlager die praktischen Voraussetzungen für einen solchen langjährigen Weiternbetrieb der Atomkraftwerke geschaffen.

Tabelle 3: Vergleich der Atommüll-Produktion (wärmeentwickelnde Abfälle aus Leichtwasserreaktoren) bei verschiedenen Szenarien [m3]  

Szenario "Sofortausstieg Ende 2000"   

ca. 3.000

Szenario "Atomausstieg"

ca. 9.000

Szenario "Fortgeschriebener Atomkonsens"   

ca. 19.000

 

Fazit

Die Szenarien zeigen, dass durch den "Atomkonens" mit der Errichtung von Standort-Zwischenlagern und dem dadurch erst ermöglichten jahrzehntelangen Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke das Atommüll-Problem ganz erheblich verschärft wird. Es kann leicht zu einer Versechsfachung des Atommülls gegenüber dem Stand Ende des Jahres 2000 kommen.

Von Henrik Paulitz

 

 

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