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Siemens entwickelt und baut neue Atomkraftwerke

Siemens hat in den vergangenen Jahren drei neue Atomkraftwerkstypen entwickelt. Gemeinsam mit der damaligen Framatome entwickelte Siemens in den 1990er Jahren den so genannten "Europäischen Druckwasser-Reaktor (EPR)". Der Siedewasserreaktor SWR-1000 ist ein eigenständiger Reaktortyp aus dem Hause Siemens.  Gemeinsam mit der russischen Atomwirtschaft  konstruierte Siemens zudem den Druckwasserreaktor WWER-640. Siemens baut weiterhin neue Atomkraftwerke. In der jüngeren Vergangenheit war Siemens an Neubauten in der Slowakei und in China beteiligt. Im Dezember 2003 erhielt die Siemens-Beteiligungsgesellschaft Framatome ANP einen Auftrag zur Errichtung eines "Europäischen Druckwasser-Reaktors (EPR)" in Finnland. Ein entsprechender Auftrag wird auch für Frankreich erwartet.

Entwicklung neuer Atomreaktoren: EPR, SWR-1000 und WWER-640

Gemeinsam mit der damaligen Framatome entwickelte Siemens in den 1990er Jahren den so genannten "Europäischen Druckwasser-Reaktor (EPR)" (European Pressurized Water Reactor). Dieser neue Reaktortyp basiert auf den in Deutschland und Frankreich zuletzt erichteten Druckwasserreaktoren und stellt eine moderate Weiterentwicklung dieser Technik dar. Auf eine grundlegende Neuentwicklung wurde verzichtet. Es kamen nur wenige neue Sicherheitsmerkmale hinzu.

Die vollständige Umstellung auf eine digitale Steuerung des Atomkraftwerks ("Leittechnik") und der Verzicht auf eine fest verdrahtete analoge Ansteuerung der Sicherheitssysteme könnte beim EPR aufgrund von Programmierfehlern zum Super-GAU führen. Der Einsatz vornehmlich "aktiver" statt "passiver" Sicherheitssysteme und die gewaltige Leistung von 1600 Megawatt entspricht nicht den heutigen sicherheitstechnischen Anforderungen. Außerdem wurde beim EPR auf einen "kernschmelzfesten Sicherheitsbehälter" verzichtet. Das beim EPR für den Fall eines Kernschmelzunfalls vorgesehene Auffangbecken zum Kühlen des geschmolzenen Reaktorkerns kann aufgrund von Dampfexplosionen zur Zerstörung des neuen "Superreaktors" führen.

Siemens hat in den 90er Jahren mit dem Siedewasserreaktor SWR-1000 einen eigenständigen weiteren Reaktortyp entwickelt. Auch dieser Reaktor wird heute von Framatome ANP angeboten. Aufgrund von Wirtschaftlichkeitsabschätzungen während der Entwicklungsphase wurde die Konzeption des Reaktors zu Lasten von Sicherheitsaspekten an grundlegenden Punkten verändert. So wurde die geplante elektrische Leistung von rund 600 Megawatt auf 1000 Megawatt erhöht. Damit entspricht auch dieser Reaktortyp nicht den heute offiziell anerkannten sicherheitstechnischen Anforderungen.

Gemeinsam mit der russischen Atomwirtschaft und mit kräftiger Unterstützung der bayerischen Landesregierung konstruierte Siemens einen neuen Druckwasserreaktor für den osteuropäischen bzw. russischen Wirtschaftsraum: den WWER-640. Der Prototyp wird am russischen Standort Sosnovy Bor errichtet.

Bau neuer Atomkraftwerke

Trotz intensiver Bemühungen um neue Atomkraftwerksaufträge erhielt Siemens 1982 die letzten Aufträge für die "schlüsselfertige" Errichtung von Atomkraftwerken - von den deutschen Energieversorgern. Damals wurden die drei Atomkraftwerke der sogenannten Konvoi-Klasse in Auftrag gegeben, die seit 1988 (Emsland und Isar-2) bzw. 1989 (Neckarwestheim-2) am Netz sind.

Seitdem beschränkte sich die Neubautätigkeit viele Jahre lang auf die Abwicklung von zwei Altaufträgen in Südamerika. In Brasilien errichtete Siemens den Atomkraftwerksblock Angra-2. Angra-2 ging nach 24-jähriger Bauzeit im Jahre 2000 ans Netz. Der Bau eines ebenfalls 1976 von der brasilianischen Militärregierung in Auftrag gegebenen dritten Blocks, Angra-3, ist möglich. Das Geschäft in Brasilien basiert auf dem am 27. Juni 1975 unterzeichneten Atomkommen der deutsche Bundesregierung unter Kanzler Schmidt mit der brasilianischen Militärdiktatur. Brasilien nutzte den Atomexport für ein parallel betriebenes Atomwaffenprogramm, das inzwischen wieder  aufgegeben wurde. In Argentinien bemüht sich Siemens seit 1979 um die Errichtung des zweiten Atomkraftwerksblocks Atucha-2.

1992/93 bestellte die Technischen Universität München bei Siemens den neuen Forschungsreaktor FRM II bei Garching. Der Forschungsreaktor ist inzwischen fertiggestellt. Trotz massiver internationaler Proteste soll der Forschungsreaktor vorläufig mit hochangereichertem, waffenfähigem Uran betrieben werden.

1996 erhielt Siemens den Auftrag, sich in der Slowakei maßgeblich an der Fertigstellung des Atomkraftwerks Mochovce zu beteiligen. Dies gelang nur mit massiver Unterstützung der deutschen Bundesregierung: mit Hilfe eines Staatskredits und einer staatlichen Hermes-Bürgschaft. Wegen der gravierenden Sicherheitsmängel des Atomkraftwerks sprachen die Medien nach der Inbetriebnahme des ersten Reaktorblocks in Mochovce von einem "Trabi mit Airbag". Atomstrom aus Mochovce könnte bald auch nach Deutschland geliefert werden und so den geplanten Atomausstieg hierzulande hintertreiben. Denn: Die Kredite zum Bau des Atomkraftwerks müssen mit harten Devisen zurückbezahlt werden, die praktisch nur durch Atomstromexporte in den Westen erwirtschaftet werden können.

1998 erhielt Siemens gemeinsam mit russischen Atomfirmen den Auftrag für den Bau von zwei Atomkraftwerksblöcken in China. Die Atommeiler vom Typ WWER-1000 werden in der Nähe der 4-Millionen-Hafenstadt Lianyungang in einer Freihandelszone errichtet.

Im Dezember 2003 erhielt die Siemens-Beteiligungsgesellschaft Framatome ANP in Finnland den Auftrag zum Bau eines neuen Atomkraftwerks vom Typ "Europäischer Druckwasser-Reaktor (EPR)". Der neue Atommeiler soll eine elektrische Leistung von 1600 Megawatt haben und am Standort Olkiluoto errichtet werden, wo bereits zwei Blöcke in Betrieb sind.

Auch in Frankreich ist damit zu rechnen, dass Framatome einen Auftrag zur Errichtung eines Europäischer Druckwasser-Reaktors erhält.  

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