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Beschluss der IPPNW-Mitgliederversammlung

8. Mai

25.04.2015 Die IPPNW fordert, den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ zu einem Nationalen Gedenktag festzulegen.

Begründung:
Nach unseren Informationen gibt es von der Bundesregierung keine Planungen für einen Gedenktag der Befreiung am 8. Mai, weder in diesem Jahr noch grundsätzlich. Ein Gedenktag, der sehr klar alle Opfer des Faschismus ehrt ist dringend erforderlich.

Bei der Suche nach den Lehren aus unserer Geschichte und ihrer angemessenen Bewertung stellen wir eine Unverhältnismäßigkeit darin fest, dass nur ein „Nationaler Gedenktag für Vertriebene“ an jedem 20. Juni von diesem Jahr an eingerichtet wird. Wir wollen aber nicht zurückfallen hinter die denkwürdige Klarstellung des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 sagte: „Der Blick ging zurück in einen dunklen Abgrund der Vergangenheit und nach vorn in eine ungewisse dunkle Zukunft. Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Wir sehen eine neue Geschichtsdeutung  darin, dass die Bundesregierung offiziell die Bezeichnung „Ende des Zweiten Weltkriegs“ gebraucht (Bundestagsdrucksache 18/3779). Unser Geschichtsbild darf nicht verfälscht werden durch gegenwärtige Feindbilder gegen ein Land, das mit 27 Millionen Toten die größten Opfer für unsere Befreiung gebracht hatte. Wir bestehen auf einem Geschichtsverständnis, das mit einem „Tag der Befreiung am 8. Mai“ friedliche Inhalte vermittelt.

Mit Willy Brandts Worten "Vom deutschen Boden darf nie wieder ein Krieg ausgehen" halten wir uns an das Grundgesetz Art. 26 GG und widersprechen der Geschichtsvergessenheit des heutigen Bundespräsidenten Gauck, der wie die Ministerin von der Leyen von wachsender Verantwortung Deutschlands redet und direkt oder indirekt militärisches Eingreifen in fremden Ländern bejaht.

Wovon wir 1945 befreit wurden, ist leicht zu erkennen, aber wofür? Welche bessere Zukunft sollte uns offen stehen, die wir Erben von Generationen zweier Weltkriege sind?

Wir brauchen den Gedenktag auch zur Mahnung an die Befreiung von Kriegstreiberei, die von Rassismus, Eroberung von Ressourcen und Dominanz über abhängige Staaten angetrieben wurde.

Ein „Nationaler Feiertag der Befreiung am 8. Mai“ wäre auch ein Tag der internationalen Solidarität mit allen, denen Befreiung von Besatzung, Diskriminierung und Ausbeutung vorenthalten wird.

Die IPPNW fordert die Bundesregierung auf, sich ihrer geschichtlichen Verantwortung zu stellen. Die Erinnerung an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und zugleich die Aufdeckung seiner Ursachen sind Voraussetzungen für eine friedensfähige Zukunft.

Richard von Weizsäcker sagte auch in seiner berühmten Rede am 8. Mai 1985:
„Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Hass zu schüren. Die Bitte an die jungen Menschen lautet: Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegen einander.“

Da ein solcher Gedenk- und Feiertag vor allem auch der Ehrung der Opfer und ihrer Mahnung an uns zu dienen hat, begründen wir unseren Antrag auch im Sinne des Schwurs von Buchenwald:

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

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